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45/2015
 

Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen! So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne für Böse wie für Gute scheinen, und er lässt es regnen für Fromme und Gottlose.

Matthäus 5,44-45 (Hoffnung für alle)

Ohne Sonne gäbe es kein Leben auf der Erde. Jede Rose und jedes Veilchen, jedes Glühwürmchen und jeder Zitronenfalter benötigt Energie von der Sonne. An sonnigen Tagen geht es auch uns Menschen immer besser als bei Wolken oder gar bei Regen.

Und die Sonne scheint auf böse wie auf gute Menschen. Und das ist – wie Jesus es im Andachtstext formuliert hat – der Grund für die Feindesliebe. Über diesen außergewöhnlichen Zusammenhang denke ich immer wieder nach. Gott macht dabei keinen Unterschied zwischen guten und bösen Menschen. „Das ist ungerecht!“, möchte ich ihm entgegenhalten. Es kann doch nicht sein, dass Gott nicht unterscheidet zwischen denen, die lügen und betrügen oder gar andere töten und denen, die Gutes tun oder sich für andere aufopfern!

Die Feindesliebe umzusetzen – das scheint geradezu unmöglich zu sein. Und doch ändert unser Unverständnis daran nichts: Gott hat die Sonne geschaffen, die alle wärmt und allen wohltut – egal, wie sie sich verhalten, egal ob sie an ihn glauben oder nicht.

Meine Familie und meine Freunde sind mir lieb, so wie sie sind. Ich mag nicht alles an ihnen; manchmal streiten wir uns sogar, aber ich stelle die Freundschaft oder die Liebe nie infrage. Wenn ich bei mir erleben kann, wie Liebe mich nachsichtig macht, wie viel mehr kann ich das von Gott erwarten. Gottes Liebe schließt eine Barmherzigkeit ein, die tatsächlich grenzenlos ist.

Es ist gut, dass Gott nicht die gleichen Maßstäbe anlegt wie wir. Ich könnte mich von ihm (bzw. Jesus) anstecken lassen und versuchen zu zeigen, was ich von Gott erkannt habe. Das gelingt bisweilen einmal, wenn es mir richtig gut geht – dann fühle ich mich Gott nahe. An manchen Tagen aber kann ich gar nichts von meinem Glauben weitergeben.

Eine Hilfe kann sein, immer wieder auf Jesus zu schauen, auf die „Sonne der Gerechtigkeit“ (Mal 3,20b) – wie die Sonnenblumen den Kopf nicht von der Sonne abwenden und sich immer wieder neu nach dieser Energiequelle ausrichten. Dann kann ich erleben, wie die Energie fließt, die mich sogar zur Feindesliebe befähigen kann.

Beate Strobel


© Advent-Verlag Lüneburg


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