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43/2015
 

[Der Übeltäter] sprach: „Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“

Lukas 23,42

Als meine Frau im Kindergarten unseres Sohnes ein kleines Projekt zum Thema „Ostern“ startete, fragte sie zu Beginn die drei- bis sechsjährigen Kinder, was sie denn über den Grund für dieses Fest wüssten. Das Ergebnis war niederschmetternd: Außer unserem Sohn und einem weiteren Kind brachte niemand das Osterfest mit dem Tod und der Auferstehung von Jesus in Verbindung. Fast alle sprachen vom Osterhasen, der Suche nach Ostereiern und ähnlichem.

Lassen sich beim volkstümlichen Weihnachtsfest christliche Inhalte wenigstens als Spurenelemente ausfindig machen, scheint Ostern völlig säkularisiert zu sein (von Pfingsten ganz zu schweigen, von dem es nicht einmal eine säkulare Version gibt). Die Menschen haben dadurch heute vielfach keine Chance mehr, das wahre Ostergeschehen auf sich wirken zu lassen und darauf zu reagieren. Denn insbesondere der Tod Christi lässt niemanden kalt, der sich damit auseinandersetzt. Stellvertretend für zwei mögliche Reaktionen stehen die Äußerungen der beiden Verbrecher, die mit Jesus gekreuzigt wurden. Der eine fuhr ihn an: „Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!“ (Lk 23,39) Daraus sprach Unverständnis, Spott, ja Ablehnung. Er verstand die Kreuzigung Christi nicht nur als eine Niederlage (das dachten die Jünger ja auch), sondern er hielt Jesus auch für einen Scharlatan. Darin ist er sich mit vielen heutigen Menschen einig, die sich kaum mit Jesus beschäftigt haben, seinen Tod als Ausdruck eines altertümlichen Kultes betrachten und das Christentum insgesamt für irrelevant halten.

Die andere Reaktion wird geradezu idealtypisch verkörpert vom zweiten Verbrecher, der s einen Mitverurteilten zurechtwies und seine Schuld eingestand („wir empfangen, was unsere Taten verdienen“ V. 41) und gleichzeitig im Moment des größten Schmerzes und des vermeintlichen Scheiterns des Gottessohnes sich ihm zuwandte und anvertraute: „Gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Dieser Verbrecher zweifelte nicht am Reich Christi. Jesus beantwortete diese Einsicht und dieses Vertrauen sofort, indem er ihm einen Platz im Paradies zusicherte.

Wir alle sind – wie diese zwei Verbrecher – durch unsere Sünde zum Tod verurteilt (Röm 6,23). Christus ist neben uns und erwartet eine Antwort. Er freut sich darauf, mit uns in seinem Reich zu leben. Und wir?

Thomas Lobitz


© Advent-Verlag Lüneburg


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