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51/2006
 

Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.

Johannes 3,36


Es ist Weihnachten. Wir sitzen im Gottesdienst und sind innerlich bewegt. Dabei kann es passieren, dass wir über dem Idyll von Christbaum und Kerzenschein vergessen, dass Weihnachten an etwas Unbegreifliches erinnern soll. Könnte es sein, dass wir über dem „Christkind" in der Krippe das eigentliche Wunder aus dem Blick verlieren? Nämlich, dass sich in Jesus der heilige, ewige Gott zu uns auf den Weg gemacht hat. Weihnachten steht für das Wunder, dass Gott sich zeigt. Es gibt von unserer Seite her zu Gott hin eine unpassierbare Grenze. Deshalb sind wir das Volk, das im Finstern wandelt, wie es der Prophet Jesaja so anschaulich formuliert (Jes 9,1).

An dieser Grenze stehen die Propheten des Alten Testamentes und warten, dass ihnen ein Licht aufgeht. An dieser Grenze stehen die Menschen aller Zeiten, die nach Gott suchten, und spähen ins Dunkel. In der Weihnachtsbotschaft geht es um das Durchbrechen dieser Grenze. Das, was immer ein sehnlicher Wunsch des Menschen war, findet in der Geburt Jesu seine Erfüllung. Es ist einer gekommen, der über Gott Aufschluss geben kann. Gott selbst zeigt, wer er ist. Weihnachten erzählt von dem unfassbaren Wunder, dass Gott für die Menschheit sichtbar wird. Gott zeigt sich bei frierenden Hirten und geschäftstüchtigen Wirtsleuten. Er zeigt sich in politischen Wirren und sozialer Not. Wer auf Jesus Christus hört und sieht, der hört und sieht Gott. Der erkennt, dass es ihn wirklich gibt. Gott offenbart sich als der Retter. „Christ, der Retter, ist da", heißt es im Lied. Gott will uns retten - durch seinen Sohn. Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Das ist die „große Freude", die wirklich allem Volk widerfahren ist.

Die Botschaft dieses Festes bringt Licht in die Dunkelheit, verdrängt den Tod durch das Leben, führt aus der Angst ins Vertrauen, aus der Gottesferne in die Gottesnähe.

Es bliebe nur das bittere „Welt-ging-verloren", wenn es nicht die Botschaft vom ewigen Leben gäbe. Wenn aber unser Heil an den Sohn Gottes gebunden ist, dann können wir diese Botschaft nicht in ein paar Tagen mit den „Weihnachtssachen" für ein Jahr auf dem Boden verstauen. Es muss etwas von dem in unserem Herzen zurückbleiben, was die Bibel Glauben nennt. Nur wenn das geschieht, hat Weihnachten einen Sinn, der über das „Süßer-die-Glocken-nie-klingen" hinausgeht.

Gerhard Mellert


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