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49/2006
 

Gott ist Liebe.

1. Johannes 4,16 (Elberfelder)

Diese drei Worte gewahren uns die tiefste Einsicht in Gottes Wesen. Doch häufig wird seine Liebe missverstanden oder sogar in Frage gestellt. Ein Grund dafür liegt in unserer Sprache. Sie kennt nur ein einziges Wort für Liebe. In den antiken Sprachen bringen drei sehr verschiedene Worte deutlicher zum Ausdruck, ob die schenkende und opfernde Liebe, die Freundesliebe oder Erotik gemeint ist.

Darüber hinaus besteht zwischen Gottes Liebe und aller menschlichen Liebe noch ein wesentlicher Unterschied. Wenn wir „die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe" (Eph 3,18) der Liebe Gottes erkennen wollen, müssen wir intensiv sein Wort studieren.

Am deutlichsten hat Gott seine Liebe zu uns Menschen sichtbar gemacht in der Gabe seines Sohnes. „Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben" (l Jo 4,9). Gottes Liebe hat stets nur ein Ziel: Errettung des Sünders. Darum ist sie auch korrigierende Liebe. „Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir ..." (Mk 10,21). Dieser Hinweis auf einen entscheidenden Mangel machte den reichen Jüngling „unmutig". Er erkannte in dieser Forderung wohl nicht die Liebe Jesu. -Der Gemeinde Laodizea sagt der Herr: „Es ist ein Zeichen meiner Liebe, wenn ich deine Schuld aufdecke und dich mit Strenge erziehe. Nimm dir das zu Herzen und kehre um!" (Off 3,19 Hfa)

Zurechtweisung und Züchtigung als Zeichen der Liebe Gottes? Erwarten wir nicht stattdessen, dass „der liebe Gott" uns vor Unangenehmem und Schwierigkeiten verschont? Auch die Aufdeckung ihrer Blindheit geschieht aus Liebe zu der Gemeinde, für die Gott kein Lob hatte. Schon Salomo wusste: „Mein Sohn, verwirf die Zucht des herrn nicht und sei nicht ungeduldig, wenn er dich zurechtweist; denn wen der herr liebt, den weist er zurecht, und hat doch Wohlgefallen an ihm, wie ein Vater am Sohn." (Spr 3,11.12)

Mehrfach lesen wir nicht nur im Alten Testament vom „Zorn Gottes". Steht das nicht in krassem Gegensatz zu Gottes Liebe? „Bei Gott... ist Zorn die Stelle, wo seine Liebe am heißesten brennt... Gott zürnt, weil wir ihm unendlich wichtig sind ... So ist auch Gottes Zorn ein Diener seiner Liebe." (Biblisches Wörterbuch, S. 402, Brockhaus Verlag, 1982) Selbst sein Gericht am „Tag des Zornes" steht nicht im Widerspruch zur Liebe Gottes. Es ist die notwendige Voraussetzung für die Vollendung unserer Erlösung.

Joachim Hildebrandt


07/2007 | 48/2006