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48/2006
 



Die Krise der Mission

Johannes 17, 12-19

Jesus betete: „Gleichwie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt.“

Mission wird ja in unseren Tagen nochmals ganz groß in die Mitte der Kirchen gestellt. Noch nie wurden so große Geldmittel investiert. Noch nie waren die großen Kirchen so für Mission aufgeschlossen. Noch nie wurde so viel Propaganda für Mission gemacht wie heute.

Trotz alldem: Noch nie war der Rückzug der Christen aus der Mission so deutlich sichtbar wie heute. Man gräbt sich hinter festen Kirchenmauern ein. „Das Evangelium kommt in unserer Zeit nicht mehr an“, sagt man.

Als ob das die Zeit wäre! Zu Jesu Zeiten war der Hass gegen das Evangelium viel stärker. Bei ihm brüllten sie fanatisiert los: „Kreuzigt ihn!“ Das war das Echo auf die freundliche Stimme des Evangeliums.

Man kann es nur erschrocken nachsprechen: Dienst mit dem Evangelium ist Bereitschaft zum Leiden. Wie könnten wir uns nur selbst betrügen, als ginge es billiger!

Da liegt die Krise heute. Es ist keine Krise der Mission. Gott wird sich aus Steinen Kinder erwecken, wenn wir schweigen. Seine Mission kann nie aufhören. Aber es ist heute eine Krise seiner Missionare. Uns fehlt der Eifer. Uns fehlt die Hingabe. Uns fehlt die Freude am vollen Einsatz. Wer von uns hält denn wirklich durch, wenn er durch Jahrzehnte keine Frucht sieht?

Die Mission Jesu war noch nie von besonderen Zeiten abhängig, aber immer vom majestätischen Befehl des lebendigen Herrn. Wenn der Herr Türen aufbricht, ist Erntezeit.

Nie im Neuen Testament ist es den Jüngern Jesu zur Entscheidung offengelassen, ob sie missionieren wollen oder nicht. Die Entscheidung ist längst gefällt in der Sendung Jesu in diese Welt. Und er hat angeordnet: „Ihr sollt meine Zeugen sein!“


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