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19/2006
 



Heiß oder kalt

Offenbarung 3, 14-22

„Ich kenne deine Werke und weiß, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärst! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund.“

Dieses vernichtende Wort spricht Jesus als Zeuge im großen Prozess, der zwischen Gott und den Menschen abrollt. Er wird hier „Amen“ genannt; denn sein Wort ist wahr und gewiss.

Hier greift Jesus im Strom Mitschwimmende Christen direkt an. Wer nicht zu einer brennenden, ja glühenden Hingabe an ihn kommt, wäre besser ein eiskalter Atheist oder ein Feind des Evangeliums geblieben. Ein halbes Christentum ist gar nichts.
Wen verlockt der goldene Weg der Mitte nicht? Jeder hat ein religiöses Empfinden, aber dann fürchtet man jede Einseitigkeit. Man will sich andere Wege, die es ja auch noch gibt, offen halten. Man spricht vornehm und höflich über Christus. Aber man will sich nicht mit Haut und Haar dem Mann vom Kreuz verschreiben.

Die gute Meinung und die beste Absicht stellt niemand in Frage. Aber die Tatsache bleibt bestehen, dass Jesus solche Christen aus seinem Munde ausspeit.

Schließlich geht es nicht um irgendeine religiöse Idee, zu der wir uns unsere eigenen Gedanken machen könnten. Gott will unser Leben ganz oder gar nicht. Wir sollten die furchtbare Not all derer sehen, die mitten in christlichen Familien oder Kreisen aufwachsen und doch nie zu einer bewussten Entscheidung für Jesus gekommen sind. Oft sind gerade aus frommen Familien die schlimmsten Spötter und Hasser hervorgegangen. Sie waren zu nahe dabei und doch wieder zu weit weg.

Nun aber findet sich Jesus mit dem vorgeschobenen Riegel an der Tür nicht ab. Er will einen neuen Anfang machen: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an!“ Er kann mit seinem Klopfen heute durch jede erstarrte Kirchlichkeit und träge Frömmigkeit durchdringen. Bis heute hat er keinen aufgegeben oder abgeschrieben. Er kann auch unsere lauen Traditionen überwinden.


Komm, o mein Heiland Jesus Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach, zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.


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