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18/2006
 

Hindernisse auf dem Weg zu Jesus

Zachäus wollte gern sehen, wer Jesus wäre.
Lukas 19, 1-10

Ob Zachäus überhaupt Zeit fand, über sein Leben nachzudenken? Sein Bürobetrieb weitete sich beängstigend aus. Neue Steuerlisten mussten angefertigt und tüchtige Mitarbeiter - auch als Unterzöllner - angeworben werden. Bei aller Mühe sollten noch lohnende Gewinne erwirtschaftet werden. Ob Zachäus manchmal nicht auch am Sabbat durcharbeiten musste, um das alles zu bewältigen?

Aber nun zog es ihn zu Jesus hin. Dafür fand er Zeit. Er musste Jesus sehen. Das war ihm wichtiger als alles andere.

Doch auf diesem Weg stellten sich unvorhergesehene Schwierigkeiten ein. Er wollte zu Jesus, aber das klappte nicht. Dicht gedrängt standen Menschen an der Straße. Wie wohl Zachäus hinter dieser Mauer von Menschen entlangging. Aber nirgends war eine Lücke. Keiner machte ihm Platz.

Das ging schon vielen so. Sie wollten Jesus sehen und sahen nur Menschen, die den Weg versperrten. Kalt und abweisend stehen sie da und strecken nur den Rücken hin. Sie haben hinten keine Augen. So sehen sie auch nicht, wie sie einem, der Jesus braucht, den Weg blockieren. O diese frommen Rücken!
Ob uns das trifft? Man kann so mit seinem Blick auf Jesus beschäftigt sein, dass man den Suchenden nicht mehr entdeckt, der jetzt zu Jesus will.

Aber die Geschichte endet nicht traurig. Ein Mensch, der zu Jesus will, wird auch damit fertig. Die Sehnsucht ist stärker als alle Hindernisse. Zachäus brachte es als kleiner- und vielleicht auch runder - würdiger Amtsvorstand vom Finanzamt zuwege, auf den Baum zu klettern und Jesus zu sehen. Auch wenn ihm keiner dabei half, gab er doch nicht auf.

Wenn auch die andern sein Verlangen nicht spürten, Jesus sah ihn vor allen andern. In sein Haus ging er. Er wusste um sein dunkles Leben. Das zog ihn gerade an. In der großen Masse vieler Menschen suchte Jesus nur den einen, der genau wissen wollte, wer Jesus wohl wäre.


Ich will streben nach dem Leben,
wo ich selig bin;
ich will ringen, einzudringen,
bis dass ich's gewinn.
Hält man mich, so lauf ich fort;
bin ich matt, so ruft das Wort:
Fortgerungen, durchgedrungen
bis zum Kleinod hin.


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