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48/2014
 

[Jesus sagte:] „Wer mich sieht, der sieht den Vater!“

Johannes 14,9b

Als die erste moslemische Ministerin Deutschlands, Aygül Özkan, ihren Amtseid mit der Eidesformel: „So wahr mir Gott helfe“ ablegte, begründete sie ihr Verhalten mit dem heute so beliebten Stehsatz: „Wir glauben ja alle an den einen Gott, der von Juden, Christen und Moslems angebetet wird.“ Der Beifall dafür war ihr sicher, denn mit diesem Populismus kann man heute gut punkten.

Doch so einfach ist es nicht! Zwar gibt es einen Zusammenhang im Gottesglauben der drei großen monotheistischen Religionen. Der Gott Israels ist auch der Gott der Christen und Spuren dieses Gottesbildes finden sich auch im Islam, der zum Teil vom Juden- und Christentum ausgeht. Doch das Wichtigste ist damit noch nicht beantwortet: Wie kommen wir zu diesem Gott bzw. wie kommt dieser Gott zu uns, damit wir sein Wesen kennen, seinen Willen verstehen und auf etwaige Verheißungen hoffen dürfen?

Mose gilt auch für Christen als ein besonderer Prophet (5 Mo 34,10), der sich aber selbst nicht als der letzte und höchste Offenbarer verstanden hat, sondern auf einen zukünftigen verwies, dem Israel gehorchen sollte (5 Mo 18,15). In den Augen der Moslems war der zukünftige und letzte Offenbarer Mohammed und das Wort Allahs im Koran. Für Christen aber ist das letzte Wort Gottes Jesus, der verheißene Messias und Sohn Gottes (Hbr 1,1-3). Diese drei sind in christlicher Sicht nicht vergleichbar. Religionsstifter wie Mohammed bauten häufig auf ihren Vorgängern auf, Propheten wie Mose empfingen das Wort Gottes, Jesus Christus aber ist
das Wort Gottes. Von Mose und Mohammed wissen wir, dass sie als Menschen gelegentlich versagt und gesündigt haben (4 Mo 20,12.24; Koran, Sure 40,57 M. Henning). Jesus nimmt hier eine Ausnahmestellung ein (Joh 8,46), die auch der Koran bestätigt, der wohl von Sünden Mohammeds, aber nie von Sünden Jesu berichtet.

Als Mohammed den Monotheismus verkündete, waren er und seine Botschaft durch niemand angekündigt worden. Als hingegen Jesus auftrat, konnte er von sich sagen: „Mose hat von mir geschrieben“ (Joh 5,46). D. h.: Ich bin der, den die Welt erwartet hat und der seit jeher die Hoffnung Israels war (vgl. 1 Mo 3,15; 49,10; Joh 1,45). Dies macht den Unterschied aus! An ihm, dem Gottmenschen, können wir erkennen, wie Gott ist und wie der Mensch sein soll.

Hans Heinz


© Advent-Verlag Lüneburg


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