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11/2014
 

Da trat Petrus zu Jesus und fragte: „Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?“

Matthäus 18,21

Da hat Petrus wirklich ein wichtiges Thema angesprochen. Mit einer von Jesus festgelegten Norm wäre man doch für immer auf der sicheren Seite. Aber Jesus erzählte eine Geschichte, die mit dem Himmelreich und einem König begann, der mit seinen Knechten abrechnen will (V. 23). Schlimm genug, wenn jemand mit einer unbezahlbaren Schuldsumme vor dem König erscheint. Es ist nur gerecht, wenn der König ihn und seine Familie haftbar macht für die Schulden. Aber der Mann gibt noch nicht auf: „Hab Geduld mit mir, ich will dir's alles bezahlen.“ (V. 26) Der König weiß besser als der unglückliche Mann, dass hier Unmögliches versprochen wird, um den Schuldenberg abzutragen. Auch die Geduld des Königs würde nicht weiterhelfen.

Jesus erklärte mit einem Satz, welchen einzig gangbaren Weg der König beschreitet, um mit den aufgehäuften Schulden des Mannes umzugehen (V. 27). Das Erbarmen des Herrn, dazu ein Freispruch: Das ist wahrhaft königliches, göttliches Handeln! Welch eine herrliche Wendung für eine aussichtslose Situation!

Aber für Jesus ist die Frage, wie oft ich meinem Bruder vergeben soll, noch nicht zu Ende gedacht. Der gerade eben Begnadigte und reich Beschenkte trifft auf dem Heimweg einen Kollegen, der ihm einen geringen Betrag schuldet. Jeder würde erwarten, dass er freudig auf den Schuldner zugeht und ihm per Handschlag das „Kleingeld“ großzügig schenkt. Aber weit gefehlt: „Und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist!“ (V. 28) Selbst die Bitte um Geduld und die Zusage der Bezahlung können ihn nicht umstimmen. Sein Schuldner landet im Gefängnis.

Der König erfährt von dem unbarmherzigen Verhalten des Mannes, dem er die große Schuld erlassen hat. Er stellt den harten Mann zur Rede: „Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast. Hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe?“ (V. 32-33) Spätestens an dieser Stelle ist Petrus rot geworden. Würden wir rot werden bei der Anfrage, wie oft wir vergeben sollen?

Danke, Herr Jesus, dass du uns den Eingang ins Himmelreich frei gemacht hast durch einen großen Schuldenerlass. Lass uns auch großzügig vergeben!

Johannes Fiedler


© Advent-Verlag Lüneburg


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