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08/2014
 

Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Römer 3,22c-24

Niemand freut sich über eine Eintragung in der „Verkehrssünderdatei“ in Flensburg. Zu den Punkten, Geldbußen oder gar dem drohenden Führerschein-Entzug kommt noch das Problem, dass man in jener Datei lange gespeichert bleibt - bei schweren Verstößen in Zukunft noch länger als bisher.

Mit dem Wort „Sünder“ kann der moderne Mensch nicht mehr viel anfangen. Manche Leute unterstellen ernsten Christen sogar, sie würden durch das Reden von Sünde ihre Mitmenschen diskriminieren oder deren Freiheit beschneiden wollen.

Es gehört mit zu den Aufgaben heutiger Christen, diese Begriffe so zu erklären, dass ihre Mitmenschen verstehen, was damit gemeint ist. Denn wie kann jemand das Angebot der Befreiung durch Christus annehmen, der nicht verstanden hat, dass er als Sünder verloren ist?

„Sünde“ (Einzahl) bezeichnet in der Bibel vor allem den Zustand der Trennung von Gott (vgl. Jes 59,2), so wie ein Sund eine Insel vom Festland trennt. Jesus bezeichnete den Unglauben als die „Kernsünde“ (Joh 16,9a). Davon sind die Sündentaten (Sünden in der Mehrzahl) zu unterscheiden, die Übertretungen der Gebote Gottes in Gedanken, Worten und Taten (1 Joh 3,4b). Sünder vor Gott ist jeder, auch, wer sich keiner Schuld bewusst ist. Es geht dabei nicht um sogenannte „lässliche“ Sünden, denn wem kleinere oder größere Verfehlungen gleichgültig sind, der lebt auch getrennt von Gott, verfehlt das Ziel und geht - ungesühnt - dem ewigen Tod entgegen.

Martin Luther erkannte: Vor dem gerechten Gott haben wir keine Pluspunkte aufzuweisen; aber er lässt uns nicht fallen. Durch unseren Glauben an Christus werden wir „gerechtfertigt“, d. h. „gerecht gesprochen“. Seine Verdienste und seine Erlösungstat werden uns „gutgeschrieben“. Durch den Glauben ergreifen wir die Geschenke der Vergebung und des ewigen Lebens. Für Luther war das die befreiende Entdeckung seines Lebens und die Grundlage der Reformation.
Dass Gott uns in Christus vergebend annimmt, gibt mehr Kraft im Leben und Trost im Sterben als alle Aufrufe, das Leben durch mehr Mitmenschlichkeit erträglicher zu machen.

Albrecht Höschele


© Advent-Verlag Lüneburg


52/2013 | 07/2014