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12+13/2013
 

Am siebten Tag hatte Gott sein Werk vollendet und ruhte von seiner Arbeit aus. Darum segnete er den siebten Tag und sagte: „Dies ist ein ganz besonderer, heiliger Tag! Er gehört mir.“

1. Mose 2,2.3 (Hoffnung für alle)

Die Bibel hat für mich viele sympathische Seiten. Schon auf der zweiten Seite steht der obige Andachtstext. Ein Gott, der sich nach getaner Arbeit ausruht, sich vielleicht zurücklehnt, ausatmet, still genießt - das hat mich schon immer beeindruckt. Gott ist ja in den Tagen vorher ein echter „Schaffer“ gewesen. Eins nach dem andern hat er sich vorgenommen und in die Tat umgesetzt: Himmel und Erde, Meer und Festland, Sonne, Monde und Sterne, Tiere und Menschen - ein echter Schöpfungsmarathon! Und dann folgte eine schöne, lange Pause. Gott hat die Ruhe geschaffen, indem er selbst zur Ruhe gekommen ist.

Mach's wie Gott, möchte ich manchem menschlichen „Schaffer“ gern sagen. Denn es wäre doch schade, wenn einem dieser Genuss entgehen würde: sich zurücklehnen, ausatmen, zur Ruhe kommen. Wir wissen aber nur zu gut: Manchmal ist es eine echte Herausforderung, sich gegen allerlei Druck von außen frei zu machen und sich Ruhe zu gönnen.

„Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst. An den Punkt, wo das Herz hart wird. Wenn du dein ganzes Leben und Erleben völlig ins Tätigsein verlegst und keinen Raum mehr für die Besinnung vorsiehst, soll ich dich da loben? Darin lobe ich dich nicht. Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne dich dir selbst. Nimm deinen Stand in dir selbst. Willst du das Maß behalten, so bleibe in der Mitte.“ Dieser Text stammt nicht etwa aus einem modernen Seminar gegen das Burn-out, sondern wurde schon im 12. Jahrhundert von einem Abt verfasst, der seinen Freund dazu aufforderte, mehr Pausen einzurichten und sie heilig zu halten. Dieser Abt hieß Bernard von Clairvaux und er schrieb an seinen gestressten Papst Eugen III.

Irgendwie merke ich: Dieser Brief ist auch an mich gerichtet. Und genau heute ist der Tag dafür, dies wieder intensiver einzuüben: sich den eigenen Beschäftigungen einmal mit bestem Gewissen zu entziehen; die Arbeit hinter sich zu lassen. Heute, an diesem Sabbat, ist wieder Zeit für mich zur Ruhe und Besinnung auf Gott.

Beate Strobel

© Advent-Verlag Lüneburg


45/2012 | 10+11/2013