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36+37/2012
 

„Ich war vierzig Jahre alt, als mich Mose, der Knecht des Herrn, aussandte von Kadesch-Bar-nea, um das Land zu erkunden, und ich ihm Bericht gab nach bestem Wissen.“

Josua 14,7

Josua war im besten Mannesalter, als er sich mit den anderen elf Kundschaftern auf den Weg machte, um das von Gott verheißene Land zu erkunden.

Wer sagen kann: „Ich bin jetzt vierzig“, der lebt in der Lebensmitte. Ein starkes Alter. Die Sturmund Drangjahre sind vorüber. Das Rentenalter ist noch weit entfernt. Das Leben hat seine Ordnung gefunden. Alles geht seinen gewohnten Gang. Doch Achtung! Der Mensch in der Lebensmitte kann sich nach zwei Seiten hin falsch entwickeln: Entweder, er wird geruhsam, lässt die Dinge laufen, wie sie sich eingespielt haben. Es fällt ihm nichts Neues mehr ein. Man kann schon in der Lebensmitte vergreisen. Oder aber man will noch einmal so richtig was erleben, einen zweiten Lebensfrühling genießen. Das kann jahrzehntealte Ehen gefährden.

Das eine wie das andere ist töricht. Gerade in der Lebensmitte kann der gereifte Mensch zu einem großen Helfer werden. Er kann den Jüngeren zur Seite stehen und den Älteren Stütze sein. In der Gemeinde sind die Menschen dieses Alters selten, umso mehr werden sie gebraucht. Bist du zur Hilfe bereit?

In einer Hals-Nasen-Ohren-Station lag ein Mann, dem kurz vor seinem Sterben bewusst wurde: Er hatte dieses Helfen in seinem Leben versäumt. Zu der jungen Ärztin, die ihn behandelte, sagte er: „Wissen Sie, ich habe mich immer nur um mich selbst gedreht. Man hatte mich gebeten, Aufgaben zu übernehmen. Ich habe ,nein' gesagt. Ich wurde gebraucht. Ich habe ,nein' gesagt. Ich hätte meine Gaben und Fähigkeiten zum Wohle anderer einsetzen können, aber ich habe immer ,nein' gesagt. Wissen Sie, was das ist, Frau Doktor, wenn man sich immer nur im Kreise um sich selbst dreht? Das ist ein unerfülltes Leben. Ich wünsche Ihnen ein langes, ein erfülltes Leben!“

Jemand sagte: „Ich habe erst angefangen zu leben, als ich anfing, für andere zu leben.“ Gerade in der Lebensmitte ist der Mensch dazu in der Lage. Aber für uns gilt: „Solange wir also noch Zeit haben, wollen wir allen Menschen Gutes tun, besonders denen, die mit uns durch den Glauben verbunden sind.“ (Gal 6,10 GNB) Beten wir, dass uns das auch heute möglich wird.

Lothar Reiche

© Advent-Verlag Lüneburg


38/2012 | 05/2007