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33/2012
 

Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab.

1. Korinther 13,4 (Hoffnung für alle)

Wie oft schleicht sich im Alltag einer Beziehung eine gewisse Normalität ein! Das hat natürlich auch etwas Beruhigendes: Die Beziehung steht nicht gleich auf dem Spiel, wenn man einmal mit ungewaschenen Haaren beim Frühstück erscheint. Oder wenn der Mann lieber einmal eine Sportsendung anschaut, statt zu reden. Dieses Einander-Sicher-Sein hat aber auch Schattenseiten.

Der frühere französische Außenminister Robert Schumann wurde einmal gefragt, warum er nie geheiratet habe. Darauf antwortete er: „Vor langer Zeit, als ich einmal in der Metro fuhr, trat ich zufällig einer Dame auf den Fuß. Bevor ich mich noch entschuldigen konnte, kreischte sie los: „Trottel, kannst du denn nicht aufpassen, wo du hintrampelst? „ Dann sah sie mich an, wurde erst bleich und dann rot und rief aus: „Oh, entschuldigen Sie, Monsieur, ich dachte, es wäre mein Mann!“

Natürlich sollte man darauf achten, dem anderen nicht auf die Füße zu treten. Wenn ich jemanden aber lange und gut kenne, dann weiß ich auch um seine Schwachpunkte, weiß, wo der andere besonders empfindlich ist. Das ist natürlich kein Freibrief zum Herumkreischen und Zurückschlagen. Vielmehr sollte man klarstellen, ob der andere überhaupt mitbekommen hat, dass er oder sie mir wehgetan hat. War es Absicht oder vielleicht doch nur ein Versehen?

Diese Aufmerksamkeit in beide Richtungen ist viel leichter, wenn sie nicht nur ab und zu im Jahr vorkommt - zum Geburtstag, Valentinstag oder an Weihnachten. Stattdessen könnte Aufmerksamkeit etwas im guten Sinne Alltägliches werden. Das heißt nicht, sich jeden Tag mit Geschenken zu überhäufen, sondern sich, über den Tag verteilt, ein wenig Zeit zu schenken um aufmerksam füreinander zu sein. Am Morgen zu hören: Was steht heute bei dir an? Oder am Abend zu fragen: Wie war dein Tag? Sich zwischendrin auch mal eine kleine Überraschung gönnen, zusammen beten, seine Ziele und Träume besprechen und wie man sie gemeinsam verwirklichen kann.

Liebe benötigt Aufmerksamkeit, viel Geduld mit den Schwächen des anderen und auch den eigenen - und jede Menge Freundlichkeit und Humor. Ich wünsche uns jedenfalls heute von all dem eine ganz ordentliche Portion.

Beate Strobel


© Advent-Verlag Lüneburg


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