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21/2012
 

Der Herr schaut vom Himmel herab und sieht jeden Menschen.

Psalm 33,13 (Hoffnung für alle)

Die Sonne geht langsam auf und vertreibt die Dunkelheit aus den Straßen der Stadt. Eine Gardine wird zurückgezogen und ein blasses Frauengesicht schaut mit Schmerzen übernächtigt auf die Straße. Drüben geht die Tür auf; der Nachbar schiebt sein Moped auf den Bürgersteig, stülpt seinen Sturzhelm auf, befestigt die Tasche auf dem Gepäckträger und fährt los. Auf dem Fußweg kommt ihm ein Mädchen entgegen, das lustlos zur Schule bummelt. An der Bushaltestelle stehen Leute stumm wartend, um zur Arbeit zu fahren.

Die Sonne steht nun ganz in ihrem morgendlichen Glanz am Himmel und scheint dies alles zu sehen: die kranke Frau am Fenster, den losbrausenden Mopedfahrer, das Mädchen mit dem schweren Schulranzen, und die Leute, die zur Arbeit müssen. Ihre Strahlen dringen bis in die riesigen Werkhallen, die Büros und die Geschäfte. Überall sind sie nun, diese hellen Strahlen des Himmels, und begleiten die Menschen durch den Tag wie ein Gefährte des Lebens.

Weil die höher steigende Sonne Wachstum und Leben zu bewirken scheint, haben viele Menschen sie in früheren Zeiten verehrt, obwohl sie nur tote Materie ist, die freilich in einem gewaltigen Prozess eine unvorstellbare Menge Energie verströmt. Laut dem Schulbuch werden von ihr in jeder Sekunde vier Millionen Tonnen Masse in Energie umgewandelt und in das Weltall verstrahlt - zu unserem Nutzen.

Doch Gott, der Schöpfer der Sonne, des gesamten Universums und allen Lebens, ist für viele Menschen eine Diskussionsgröße geworden. „Da hat sich die Natur aber etwas einfallen lassen", ist alles, was manchem beim Betrachten der Natur einfällt.

Auch wenn wir es nicht immer spüren: Er ist da, der Schöpfer all dessen, was wir sehen und was wir nicht sehen können. Der Apostel Paulus erklärte, dass der Schöpfer niemand anderes ist als der Sohn Gottes: „Durch ihn ist alles erschaffen, was im Himmel und auf der Erde ist." (Kol 1,16a Hfa) Er ist da und weiß um die kranke Frau, um den Mann, der zur Arbeit fährt, um das Mädchen, das zur Schule geht, um die Leute, die an der Haltestelle warten ... und um dich, was du auch tust! Aber noch viel mehr als das, denn Jesus sagte: „Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben im Überfluss." (Joh 10,10b GNB)

Gerhard Rühle



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