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48/2010
 

[Jesus sagte]: „Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“

Johannes 11,25b

Kürzlich schrieb mir einer meiner Bibelfernkurs-Teilnehmer: „Ich habe mir vorgenommen, mehr über meinen Tod zu meditieren, damit ich die letzte Angst verliere.“ Da konnte ich gar nicht anders, als ihm zu antworten: „Lieber Herr XY, es kann in der Tat manchmal sehr wertvoll sein zu meditieren, aber wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich mich nicht mit meinem Tod, sondern viel lieber mit der faszinierenden Auferstehungsbotschaft der Bibel beschäftigen.“ Da durfte dann der Hinweis auf Johannes 11 und 1. Korinther 15 auf keinen Fall fehlen. Selten ist mir ein Brief so leicht und schnell von der Hand gegangen wie dieser, denn das war genau mein Thema!

Von dieser Faszination konnte ich aus vollem Herzen schreiben. Was ich schrieb, hatte einen ganz anderen Klang als zu früheren Zeiten, denn es ging nicht um theologische Theorien, sondern um das Evangelium im besten Sinne des Wortes, das ich gerade erst selbst erlebt hatte. Gleich zweimal musste ich von lieben Menschen Abschied nehmen, die mir besonders nahestanden. Zweimal erlebte ich bewusst, was Abschiedsschmerz bedeutet, wenn man an einem offenen Sarg steht. Und der Schmerz ist noch lange nicht vorbei.

Auch gläubige Menschen leiden angesichts der ultimativen Abschiedserfahrung, wenn Angehörige oder Freunde sterben. Sie ist in diesem Leben unabänderlich und es wäre töricht, anderes zu behaupten. Aber gerade mitten in dieser Leidenserfahrung leuchtete das Wort des Apostels Paulus vor mir auf, wo er beschreibt, was angesichts des Todes letztlich den Unterschied zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit ausmacht: „Wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Christus mit ihm einherführen.“ (1 Ths 4,14) Genau das ist der entscheidende Unterschied zwischen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Jesus macht den Unterschied. „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“, sagte er (Joh 14,19), und: „Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Joh 11,25)

Danke, Herr, dass ich das glauben und wissen darf. Dein Versprechen des Lebens trägt auch durch tiefste Dunkelheit, und ich bin sicher: Schon bald wirst du es einlösen!

Friedhelm Klingeberg

© Advent-Verlag Lüneburg


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