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45/2010
 

Ein Mensch, der antwortet, bevor er zugehört hat, zeigt seinen Unverstand und wird nicht ernst genommen.

Sprüche 18,13 (Gute Nachricht Bibel)

Wirklich gut zuhören können nur wenige. Oft baut sich in einer Auseinandersetzung ein innerer Druck auf, der es nicht mehr zulässt, dem anderen zuzuhören. Das kann zu ernsthaftem Streit führen.

Meine Morgenzeitung lieferte ein extremes Beispiel dafür. Eine Ehefrau hatte eine Auseinandersetzung mit ihrem Mann. Er wollte ein Fußballspiel sehen und sie die Nachrichten. Als er sich hinsetzte, um sich das Spiel anzuschauen, sagte die Frau, sie habe „vom Fußball die Nase voll“, holte sich aus dem Schlafzimmer eine Pistole und gab zwei Schüsse auf ihn ab. Der Ehemann wurde nur leicht verletzt, aber die Ehefrau wurde wegen schwerer Körperverletzung angeklagt.

Zum Glück kommt es selten zu einer derartigen Eskalation. Wenn wir jedoch gelernt haben, gut zuzuhören, braucht das Gespräch erst gar nicht zu eskalieren. Wir geben dem Partner Gelegenheit, seine Ansichten darzulegen, interessieren uns für dessen Gründe und versuchen den anderen zu verstehen, vor allem auch seine Gefühle. Der Eindruck, dass die eigenen Gefühle respektiert werden, ist für den Partner oft gerade das, worauf es ihm ankommt. So vermag das Einfühlen die Spannung wunderbar abzubauen. Dann ist es viel leichter möglich, nach einem Konsens zu suchen.

Bei Paaren, die sich scheiden lassen, stellt sich oft die mangelhafte Kommunikation als Hauptgrund heraus. Man hat dem anderen nicht wirklich zugehört, seine Gefühle nicht verstanden oder ernst genommen. „Wir verstehen uns nicht mehr“, heißt es dann oft. Wie viel wurde aber unternommen, um es zu lernen, wie wir den anderen verstehen können? Es gibt viele gute Bücher zum Thema Kommunikation, insbesondere in der Ehe.

Viele Gespräche führen zu keiner Einigung auf der sachlichen Ebene, weil die Gefühle des anderen unberücksichtigt bleiben. Gerade darauf kommt es beim Zuhören an: die „zwischen den Zeilen“ geäußerten Gefühle in Tonfall oder der Mimik zu erspüren und sich durch Rückfragen zu vergewissern, ob ich sie recht eingeschätzt habe.

Solches Zuhören erfordert zwar Übung, Disziplin und Einfühlungsvermögen, beugt aber der Gefahr vor, dass die Gefühle „überkochen“. So verbessern sich die Aussichten auf eine Klärung der Probleme, denn wer gut zuhören kann - mit Herz und Verstand -, wird eher ernst genommen. Das wusste schon Salomo.

Wilfried Meier



© Advent-Verlag Lüneburg


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