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40/2010
 

Wie gut ist es, dir, Herr, zu danken und dich, du höchster Gott, zu besingen, schon früh am Morgen deine Gnade zu loben und noch in der Nacht deine Treue zu preisen.

Psalm 92,2.3 (Hoffnung für alle)

Zu Beginn der Gottesdienste gebrauchen wir öfters die Wendung: „Wir wollen Gott loben und ihm danken.“ Viele denken, beides bedeutet in etwa dasselbe. Ist Gott zu danken dasselbe, wie ihn zu loben?

Das deutsche Wort „danken“ ist abgeleitet von „denken“ und „gedenken“. Es bedeutet, von der empfangenen Gabe oder Hilfe aufzusehen zum Geber und seine gute Tat verbal anzuerkennen.

Paulus dankte Gott in seinen Briefen häufg konkret für die Gaben, die die Christen allgemein empfangen haben, vor allem die Erlösung durch Christus, Vergebung, usw. Es gibt viele Gaben Gottes, für die wir danken können. An sie zu denken ist die Voraussetzung dafür. Dietrich Bonhoeffer schrieb: „Wir hindern Gott, uns die großen geistlichen Gaben, die er für uns bereit hat, zu schenken, weil wir für die täglichen Gaben nicht danken.“

Gott zu loben ist jedoch etwas anderes, als ihm zu danken, auch wenn es Überschneidungen gibt. Was loben wir an Kindern? Ihre guten Eigenschaften oder Wesenszüge, zum Beispiel, dass sie zuverlässig oder ehrlich sind. Gott zu loben bedeutet also, seine Eigenschaften und Wesenszüge zu rühmen: seine Güte, Liebe, Barmherzigkeit, Geduld usw.
Das deutsche Wort „loben“ bedeutet „für lieb heißen, gutheißen“ und hängt mit „geloben“ und „verloben“ zusammen. Hinter dem Lob Gottes steht ein Christ mit seiner ganzen Existenz. Im Loben kommt die ganze Hinwendung des Menschen zu Gott zum Ausdruck: die Liebe, das Geloben und das Verloben mit Gott (Hos 2,21.22). Loben ist viel mehr, als einen Dank für eine erwiesene Wohltat auszudrücken.

Im Loben liegt eine große Kraftquelle, weil es uns von uns selbst wegführt zu dem hin, dem wir nicht nur alles Gute verdanken, sondern der der Mittelpunkt unseres Lebens sein soll. Wir blicken von uns selbst weg auf Gott. Deshalb führt das Lob Gottes zur Freude, denn wir besinnen uns auf unseren wunderbaren Gott.

Um Gott zu loben brauchen wir – im Gegensatz zum Danken – keinen Anlass, denn Gott ist immer derselbe. Auch wenn es uns schlecht geht können wir Gott loben. Paulus und Silas lobten Gott im Gefängnis laut um Mitternacht – und es geschahen Bekehrungen (Apg 16,24-32). Hast du Gott heute schon ausgiebig gelobt?

Hermann Beier

© Advent-Verlag Lüneburg


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