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27/2010
 

„Wollt ihr euch denn nicht bessern und meinen Worten gehorchen?“, spricht der Herr.

Jeremia 35,13

Eine 75-jährige Frau hat ihre Einkäufe in der Stadt erledigt. Sie will mit dem Bus zurück nach Hause. Doch der Bus lässt auf sich warten. Die Frau setzt sich an der Haltestelle auf einen der Gittersitze. Da das Metall kühl ist, benutzt sie ihre Stofftasche als wärmendes Kissen.

Dann kommt der Bus. Die Frau nimmt schnell ihre volle Einkaufstasche, steigt in den Bus ein und lässt ihre Stofftasche auf dem Gittersitz liegen. Darin befindet sich ihr Geldbeutel mit wichtigen Papieren, der Bankkarte und 53 Euro in bar.

Erst zu Hause bemerkt die Frau ihren Verlust. Weil gerade kein Bus zurückfährt, geht sie zu Fuß die Strecke zurück und steht wieder vor dem Gittersitz. Aber die Tasche ist verschwunden. Sie fragt im Reisebüro bei der Bushaltestelle nach und erfährt, dass sich tatsächlich eine Dame mittleren Alters gemeldet hat. Sie habe draußen etwas gefunden und wolle sich mit der Besitzerin in Verbindung setzen.

Die 75-Jährige kann jetzt nur noch warten. Zum zweiten Mal fährt sie an diesem Vormittag mit dem Bus nach Hause. Sie ahnt noch nicht, dass sie nicht lange warten muss. Zu Hause angekommen, entdeckt sie etwas in ihrem Briefkasten. Es ist ihre Stofftasche. Alle Papiere sind noch da, auch die Bankkarte, und von den 53 Euro fehlt kein Cent!

Die Frau sagt später einer Tageszeitung: „So etwas habe ich in meinen 75 Jahren noch nicht erlebt. Heutzutage ist das ja ein Wunder, denn so viel uneigennützige Ehrlichkeit kommt sehr selten vor.“

Es wäre doch schön, wenn Ehrlichkeit nicht nur ein Wunder, sondern eine Selbstverständlichkeit wäre, wenn ich spätabends in der U-Bahn oder in der Stadt unbehelligt unterwegs sein oder mich auf das Wort eines anderen immer verlassen könnte.

Als Gott die Welt schuf, war sie „sehr gut“ (1 Mo 1,31). Doch das erste Menschenpaar übertrat Gottes Gebot und das brachte bis heute Leid über die Menschheit. Nach wie vor steht die Frage des Herrn im Raum, ob wir uns nicht bessern und auf Gottes Wort hören wollen. Zwar gibt es auch dann noch Naturkatastrophen, Krankheiten und Tod, aber das Leid, das sich Menschen gegenseitig antun, könnte deutlich verringert werden, wenn sich immer mehr an den Geboten Gottes orientieren würden. Alles Klagen über die „böse Welt“ wird nichts verändern; ändern wird sich erst etwas, wenn ich nach Gottes Wort lebe.

Holger Teubert

© Advent-Verlag Lüneburg


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