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25/2010
 

Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens … das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.

1. Johannes 1,1.3b

In einem seiner Vorträge erläuterte der bekannte Hirnforscher Professor Manfred Spitzer eine Studie mit Krabbelgruppen-Kindern aus den USA. Die Kinder waren neun bis zwölf Monate alt - ein Alter, in dem sie lernen, Laute und Wörter zu unterscheiden. Die Kinder, die alle in englischsprachigen Familien aufwuchsen, bekamen mehrmals pro Woche Geschichten auf Chinesisch vorgelesen. Nach zwei Monaten konnten sie in Tests chinesische Laute ähnlich gut unterscheiden wie Kinder, die bei chinesischen Eltern aufwuchsen.

In zwei anderen Gruppen wurden den Kindern dagegen Videofilme gezeigt, in denen jemand die chinesischen Geschichten vorlas, oder es wurden Audiokassetten vorgespielt. Das Ergebnis: In diesen beiden Gruppen hatten die Kinder nach zwei Monaten nichts gelernt. Sie konnten chinesische Laute genauso wenig erkennen wie Kinder, die nie ein Wort chinesisch gehört hatten.

Manfred Spitzer erklärt dies so: Kleinkinder müssen lernen, neue Sinneswahrnehmungen durch ihr eigenes Erleben erst einzuordnen. Sie müssen die Welt praktisch mit allen ihren Sinnen erleben. Das ginge eben nicht am Bildschirm. (Ärztezeitung vom 29.11.2007)

Diese Studie bestätigt eine Erfahrung, die Gläubige immer wieder gemacht haben. Was für das Lernen gilt, gilt für den Glauben erst recht: Die Erfahrungen mit Gott und die eigenen Beziehungen zu anderen Christen sind entscheidend für die Entwicklung des Glaubens. Ohne eine persönliche Beziehung bewirkt die Verkündigung des Evangeliums wenig. Zugleich ist es hilfreich, wenn sich Gläubige gegenseitig erzählen, was sie mit Gott erlebt haben. So lässt sich praktisch nachvollziehen und verstehen, wie er wirkt und Menschen verändert werden.

Die obige Aussage von Johannes beschreibt es sehr plastisch: Er und andere Apostel hatten Jesus leibhaftig gesehen, sogar betastet. Sie laden uns dazu ein, mit ihnen Gemeinschaft zu pflegen, durch das, was sie geschrieben haben, damit wir dadurch Gott besser kennen lernen und ebenso Gemeinschaft mit ihm haben können.

Thomas Lobitz



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