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24/2010
 

[Jesus sagte:] „Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“

Matthäus 9,13b

Manchmal fühle ich mich gerecht. Ich rege mich zu Recht über Dinge auf, die nicht in Ordnung sind. Ich weiß genau, wer was verdient hat. Und beim gerechten Verteilen von Kuchenstücken bin ich Weltmeister.

Nun berichtet Matthäus leider nicht, dass Jesus sagte: „Ich bin gekommen, die Gerechten zu rufen.“ Er sagte auch nicht: „Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und die Gerechten“, sondern erklärte mit Nachdruck: „Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“ Hätte es Jesus mit den Gerechten nicht viel einfacher als mit den Sündern? Die Gerechten halten die Gebote, die Sünder übertreten sie!

Wenn ich mich gerecht fühle und meine, gerecht zu sein, dann mache ich mich selbst zum Maßstab. Der ist dann abhängig vom Verhalten, vom Einsatz, von der Kreativität oder der Initiative, vielleicht auch von der Gemeindezugehörigkeit. Aber ist das wirklich die Gerechtigkeit, nach der ich mich sehne?

Jeder von uns hat einen anderen Maßstab von Gerechtigkeit. Welcher ist nun der richtige?

Jesus sagte: „Selig sind, die hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.“ (Mt 5,6) Hier geht es um eine ganz andere Gerechtigkeit – um Gottes Gerechtigkeit. Sie allein ist der Maßstab. Deshalb ist Jesus gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.

Unsere Gerechtigkeit wird oft zur Selbstgerechtigkeit, die keinem gerecht werden kann – erst recht nicht Gott. Gottes Gerechtigkeit jedoch wird jedem gerecht, der sie angenommen hat und von seiner eigenen Gerechtigkeit ablässt. Wer das tut, ist in Gottes Augen ein reuiger Sünder. Er ist ein Sünder, der umkehren und in die offenen Arme Gottes laufen kann. Er kann seine eigene (Selbst-) Gerechtigkeit endlich getrost loslassen und wird Gottes Gerechtigkeit, gepaart mit Liebe, erfahren.

„Es gibt hier keinen Unterschied: Alle sind schuldig geworden und haben die Herrlichkeit verloren, in der Gott den Menschen ursprünglich geschaffen hatte. Ganz unverdient, aus reiner Gnade, lässt Gott sie vor seinem Urteil als gerecht bestehen – aufgrund der Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist.“ (Röm 3,22c-24 GNB) Allein auf diese Gerechtigkeit will ich vertrauen!

Stephanie Keim

© Advent-Verlag Lüneburg


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