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16/2010
 

Da sprach der Herr zu Kain: „Wo ist dein Bruder Abel?“ Er sprach: „Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?“

1. Mose 4,9

„Was geht es mich an, was der andere tut? Ich bin dafür doch nicht verantwortlich!“ So oder ähnlich haben wir vielleicht auch schon geredet oder andere reden hören.

Es stimmt: Keiner von uns trägt die Verantwortung für das, was andere denken, entscheiden und tun. Jeder trägt die Verantwortung für sich allein. Wir machen zwar gern andere für unser Verhalten verantwortlich, wenn es sich ungünstig auswirkt, aber dies ist unfair und unchristlich.

Ganz gleich, wie andere uns behandeln: Wir tragen die Verantwortung dafür, wie wir darüber denken, welche Absichten wir dem anderen unterstellen und für welche Reaktion wir uns entscheiden. Es ist so leicht, den Splitter im Auge des anderen zu sehen, weil wir uns an den Balken im eigenen Auge schon so gewöhnt haben, dass wir ihn gar nicht mehr wahrnehmen (Mt 7,3). „Viele kritisieren rücksichtslos und beschuldigen andere. Indem sie Misstrauen, Eifersucht und Unzufriedenheit äußern, machen sie sich zu Handlangern Satans.“ (Ellen G. White, Intellekt, Charakter und Persönlichkeit, Band 2, S. 243)

Dann doch sich lieber nicht um den anderen kümmern, oder? Dies wäre eine schlechte Lösung. Auch wenn wir nicht für das Handeln anderer verantwortlich sind, haben wir eine Verantwortung aneinander: „Lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken“, werden wir im Hebräerbrief aufgefordert (10,24). „Es ist sinnvoller, wenn wir uns gegenseitig im Glauben unterstützen, so gut es geht.“ (Ebenda)

Als Kain Gott fragte, ob er seines Bruders Hüter sein soll, wollte er sich aus dieser Verantwortung stehlen. Wir sind zum Mit- und Füreinander von Gott geschaffen und bestimmt. Jeder von uns trägt mit an der Verantwortung, dass dies gelingt, ob in der Familie, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in der Schule oder beim Studium - und vor allem auch in der Gemeinde Gottes. „Einer trage des anderen Last“, forderte Paulus (Gal 6,2).

Wann hast du das letzte Mal jemand ermutigt? Oder hast du jemand durch Kritik entmutigt? Ich möchte dich dazu einladen, um dich herum eine Atmosphäre der Glaubensermutigung zu verbreiten. Gott wird es ehren und allen wird es gut tun.

Ottmar Wander

© Advent-Verlag Lüneburg


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