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44/2009
 

Herr, du durchschaust mich, du kennst mich durch und durch.

Psalm 139,1 (Hoffnung für alle)

Gott kennt den Psalmschreiber David bis in die Tiefen seiner Seele. Er weiß um seinen Glauben und seine Treue, ebenso um seine schweren Sünden und sein Versagen. Nathan, der von Gott gesandte Prophet, hat ihm dies erschreckend bewusst gemacht.

Was für David zutraf, gilt für jeden einzelnen der Milliarden von Menschen. Gott kennt auch mich bis in den letzten Winkel meiner Gedanken und die Motive, die mich bewegen. Er weiß, wo ich mich vor anderen Menschen verstecke, wann ich mich selbst rechtfertige und vor mir selbst entschuldige. Gott ist nicht verborgen, was ich denke (V. 2), welche Wege ich gehe (V. 3), sogar meine noch unausgesprochenen Worte sind ihm bekannt (V. 4).

Welche Empfindungen löst diese Allwissenheit Gottes in mir aus? Bedrückt es mich, dass ich nackt und bloß vor ihm stehe; dass ich Gott wirklich nichts vormachen kann; dass er mich besser kennt als ich mich selbst? Was ich keinem Menschen je anvertraut habe, ist ihm bekannt. Ist das nicht buchstäblich furchtbar? Wir sind doch stets darum bemüht zu verhüten, dass jemand uns bis ins Letzte durchschaut!

Oder könnte es auch tröstend und beglückend sein zu wissen, dass Gott von mir alles kennt, mein Wollen und Versagen, auch die Hintergründe meines Tuns, meine Erziehung, Erlebnisse, Erbanlagen? Ermutigt es mich, dass Gott sich so ein zutreffendes Urteil über mich bilden kann?

Der Prophet Samuel wurde einmal, als er einen Nachfolger für den Thron suchen sollte, von Gott aufgefordert: „Lass dich von seinem Aussehen und seiner Größe nicht beeindrucken ... Denn ich urteile nach anderen Maßstäben als die Menschen. Für die Menschen ist wichtig, was sie mit den Augen wahrnehmen können, ich dagegen schaue jedem Menschen ins Herz.“ (1 Sam 16,7 Hfa)

Verschiedene Bibelübersetzer haben mit ihren Überschriften zu Psalm 139 diese Allwissenheit Gottes offensichtlich recht unterschiedlich beurteilt: „Herr, du durchschaust mich!“ (Hfa), „Das ,Hohelied' der Allgegenwart Gottes und unsere Unentrinnbarkeit“ (Bruns), „Vor Gericht“ (Theo Brüggemann, Hilf uns leben). Wie anders dagegen klingen: „Huldigung an den Allwissenden“ (JB), „Aufblick zu dem allwissenden und allgegenwärtigen Gott.“ (Zu)

Ich schließe mich den letzten beiden an. Warum? Die ganze Bibel bezeugt, was Wilhelm Hey in seinem Lied „Weißt du wie viel Sternlein stehen?“ in der letzten Strophe sagt: „Er kennt auch dich und hat dich lieb.“

Joachim Hildebrandt

© Advent-Verlag Lüneburg


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