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38/2009
 

Harre auf den Herrn! Sei mutig, und dein Herz sei stark, und harre auf den Herrn!

Psalm 27,14 (Elberfelder Bibel
)

Mir fällt Warten schwer: dass die Ampel von Rot auf Grün umschaltet, der Zug einfährt, das Flugzeug startet, ich als nächster drankomme, dass das Leben weitergeht. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Gott es darauf anlegt, mir durch Warten Geduld beizubringen. Wähle ich die kürzeste Schlange an der Kasse im Supermarkt, stimmt etwas mit der Bankkarte des Kunden vor mir nicht und ich muss warten.

Statistisch gesehen, bringen wir von 70 Jahren unseres Lebens drei bis fünf Jahre mit Warten zu. Mir erscheint das glaubhaft. In öffentlichen Gebäuden gibt es Warteräume, in denen nichts anderes geschieht, als dass Menschen warten. Und vielleicht wartest du jetzt sogar darauf, dass dich dieser Kalenderzettel mit einem geistlichen Gedanken auf den Tag einstimmt.

In meiner Beziehung zu Gott muss ich auch manchmal warten. Es gibt Augenblicke, in denen sich nichts zu bewegen scheint, nichts vorwärts geht und keine noch so schwache Brise die Segel meines Lebens Schiffes strafft. Wenn alle Fragen und Zweifel vor Gott ausgebreitet worden sind und meine Gebete von der Zimmerdecke abzutropfen scheinen, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als auf Gott zu warten.

Der obige Andachtstext benutzt dafür ein aus der Mode gekommenes Wort: harren. Allerdings gefällt mir das irgendwie besser als „warten“, denn es klingt aktiver als passiv dazusitzen und darauf zu warten, dass etwas geschieht. Zudem benutzt der Psalmdichter es im Zusammenhang mit Mut und einem starken Herzen. Für mich sind das positive Lebenseinstellungen, die mir helfen, das Warten mit Sinn und Zweck zu erfüllen. Letztlich warte ich ja nicht auf irgendetwas, sondern auf jemanden, ich harre auf den Herrn! Ich vertraue darauf, dass Gott Zeit und Umstände in seiner Hand hält und dass er mich im richtigen Augenblick aus einer schwierigen Situation oder einer geistlichen Flaute herausführt.

Ums Warten komme ich wahrscheinlich auch in Zukunft nicht herum, aber jedes Mal, wenn ich auf die Wartezeiten meines Lebens zurückschaue, kann ich nur staunen, wie viel besser Gottes Zeitplan war als mein eigener.

Martin Klingbeil

© Advent-Verlag Lüneburg


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