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25/2009
 

Wer Geschenke verspricht und hält's nicht, der ist wie Wolken und Wind ohne Regen.

Sprüche 25,14

Im Frühjahr 2005 gab es im Osterzgebirge übermäßig viel Schnee, obwohl man dort in dieser Beziehung schon einiges gewöhnt ist. Man sagt, ein Winter im Gebirge dauere neun Monate. Ein Spaßvogel nahm die Schneemengen mit Humor und stellte vor seinem Haus ein Schild auf: „Verkaufe Schnee in allen Formen, gern auch zur Selbstabholung.“ Wer selbst auch Spaß versteht, geht darauf ein und ordert die weiße Pracht schriftlich. Natürlich solle die Lieferung später erfolgen. Einer wollte seine Ladung bereits im März erhalten, ein anderer Anfang August. Nun war unser Spaßvogel, der Schneeverkäufer, ein Geschäftsmann. Und er war noch einer von der Sorte, der hält, was er verspricht.

So holte er mit seinem Anhänger den Schnee aus Tschechien, ohne Naturschutzgesetze zu verletzen. Auch daran hatte er gedacht. Am Zoll gab es ein großes Gelächter und beim Empfänger ein ebensolches Erstaunen, als sein Schnee termingerecht in Eimern geliefert wurde; kostenlos übrigens, weil es sich um einen Scherz handelte. Die letzte ausstehende Lieferung für Ende August lag schon in der Tiefkühltruhe bereit. Hoffentlich, so meinte der Lieferant, ist sie dann noch als Schnee zu erkennen!

Da hat einer einen Spaß ernst genommen. Wird er sich als Geschäftsmann weniger seriös verhalten? Das ist unvorstellbar. Wie halten wir denn unsere Versprechen – ich denke an die ernsthaften – ein? Und gleichzeitig erinnere ich mich an vergessene Verpflichtungen meinerseits.

Jesus sagt: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“ (Mt 5,37) Er meint damit nicht, dass wir nur noch diese beiden Worte gebrauchen sollen. Es geht im Textzusammenhang um das Schwören, das damals wohl übermäßig viel praktiziert wurde, um die Wahrheit der eigenen Rede zu beteuern. Dagegen wandte sich Jesus.

Wer heute zu seinem Wort steht, und das ständig und überall, braucht keine Schwüre – man glaubt ihm einfach. Sein Leben ist der Beweis für seine Aufrichtigkeit. Deines auch?

Jochen Graupner

© Advent-Verlag Lüneburg


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