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16/2009
 

Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat.

Matthäus 28,5.6

Eine meiner liebsten Ostergeschichten handelt von Maria aus Magdala. Sie weint am Grab Jesu, weil sie alle ihre Lebenshoffnungen begraben sieht. Selbst die Engel können sie nicht aus ihrer Trauer herausreißen. Da dreht sie sich um und sieht einen Mann hinter sich, den sie für den Gärtner hält. Doch es ist der Auferstandene selbst, der ihr begegnet.

In dieser Geschichte finde ich mich wieder. Auch ich kenne solche Stunden, in denen ich an Gräbern stehe und traurig bin, weil ein Kind aus dem Leben brutal fortgerissen oder ein Vater aus seiner Familie genommen wurde, die ihn doch so nötig braucht, eine Witwe allein steht und kein Trost sie erreichen kann. Ungenutzte Lebensmöglichkeiten, eine ausweglose Beziehung, zerstörende Schuld – das alles macht mich traurig. Ich überdenke mein Leben und sehe auf einmal ganz deutlich, wo ich die falsche Richtung eingeschlagen, Gottes Signale nicht gesehen, mich auf die einfachste Lösung eingelassen habe. Nichts kann mich hinwegtrösten über mein eigenes Versagen. Da tritt der Auferstandene hinter mich, bewegt mich zum Umschauen und ein völlig neuer Horizont tut sich auf.

Wir können ihn nicht dazu zwingen, sein Licht in unsere Ausweglosigkeit hineinzuwerfen, aber wir dürfen seit Ostern darauf vertrauen, dass er kommen wird. Unsere Ausweglosigkeit ist seine Stunde, in denen er uns seine Seelsorge schenkt. Das kann sehr unterschiedlich aussehen. Manchmal ist es ein Bibelwort oder eine biblische Geschichte, die auf Jesus aufmerksam macht. Manchmal berührt er uns auch selbst. Wir spüren seine Nähe im Gebet, seine Liebe, die uns wie ein warmer Mantel in der Not umgibt.
Ein anderer erfährt den Auferstandenen durch einen Freund, der unverhofft vor der Tür steht und einfach Zeit hat zuzuhören, dabei zu sein, eine Wegstrecke mitzugehen wie Jesus mit den Emmausjüngern.

Ich möchte jedenfalls von Maria aus Magdala lernen. Wenn ich Schritte hinter mir höre, will ich mich umwenden wie sie. Vielleicht ist es ja nur der Gärtner oder die Freundin, die hinter mir steht. Doch könnte es auch Jesus sein, der mich daran erinnert, dass mit seiner Auferstehung auch mein Leben Zukunft hat, egal, wie verfahren die Situation auch ist.
Frohe und gesegnete Ostern!

Gabriele Baur

© Advent-Verlag Lüneburg


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