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14/2009
 

Jesus spricht zu ihm [Thomas]: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Johannes 14,6

Mit diesem Ausspruch Christi hat der natürliche Mensch große Schwierigkeiten. Als die Heiden das Christentum nicht mehr durch Verfolgungen vernichten konnten, wollten sie wenigstens den Heilpluralismus retten.

„Ein so großes Geheimnis“, sagte ein römischer Senator des 4. Jahrhunderts, „kann nicht nur auf einem Weg erreicht werden.“ Die Heiden wollten damit sagen: „Wir erkennen Christus als einen Weg an, aber neben ihm muss es noch andere Wege geben.“

Heute sind wir sogar noch einen Schritt weiter. Für den modernen Menschen ist die Wahrheit unerreichbar, für ihn gibt es nur Wahrheiten. Von diesen Wahrheiten hat jeder seine eigene, und deshalb haben in punkto Weltanschauung irgendwie alle Recht.

Darum sind wir in Fragen des Glaubens auch so gleichgültig, denn, wenn alles gleich gültig ist, dann droht, dass alle gleichgültig werden! Diese Art von Toleranz kann sich nicht auf Jesus Christus berufen.

Für ihn kam das Heil nicht von den Griechen, nicht von den Samaritern, sondern allein von den Juden (Joh 4,22). In Jesus, dem Christus (Messias), tritt uns daher der entgegen, durch den allein wir errettet werden. Und das bedeutet, dass wir weder an seiner Person noch an seiner Botschaft vorbei können. Diese „dogmatische Intoleranz“ aber verband Jesus mit einer beispiellosen „Personentoleranz“. Er redete auch mit den im Irrtum verhafteten Samaritern (Joh 4), er ertrug geduldig den Unglauben seiner eigenen Brüder (Joh 7), er drängte sich den Leuten der zehn Städte nicht auf (Mk 5), zwang niemanden zur Nachfolge (Mk 10). Er hasste niemanden, auch seinen Verräter nicht (Joh 6). Er vergab dem Versager Petrus und berief den Verfolger Paulus. Er rechnete auf gewaltlose Weise mit den Pharisäern ab. Er stellte den Wahrheitsanspruch bei gleichzeitigem Verzicht auf Gewalt.

Damit haben wir, seine Jünger, – wie die Kirchengeschichte beweist – große Schwierigkeiten: das Feuergericht sofort (Lk 9,51-55)! Und keine Duldung der Irrenden und des Irrtums! Und womöglich beides auch noch „ad maiorem Dei gloriam“ (zum höheren Ruhme Gottes)!

Wenn uns da endlich die Augen geöffnet werden, können wir nur in Demut bitten: Herr, schenke uns unverbrüchliche Treue zu dir und deinem Wort, aber lass uns freundlich zu anderen Menschen sein!

Hans Heinz
© Advent-Verlag Lüneburg


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