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44/2008
 

Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!

Philipper 4,6

Da sitzen wir an einem Freitagabend im Kreis beisammen. Angereist sind ein Firmeninhaber, ein Jurist, ein Mediziner, ein Student, ein Oberstudienrat, eine Hausfrau, einige Pastoren und verschiedene Angestellte. Eine bunte Mischung. Der Gesprächsleiter stellt die Frage, was jeder mitgebracht hat. Gemeint sind nicht Gepäck und Unterlagen, sondern die Freuden und Belastungen. Und dann geht es los.

Einer von ihnen ist Woche für Woche auf Reisen. Zeit für Frau und Kinder ist rar geworden. Einem anderen ist gerade ein Millionenauftrag verloren gegangen. Die Eltern eines anderen sind pflegebedürftig geworden. An diesem Abend wird manches sichtbar, was sonst verborgen ist. Und doch scheinen die eigentlichen tiefen, persönlichen Nöte längst nicht ausgesprochen zu sein.

In eine solche Welt hinein spricht Paulus die Worte: „Sorgt euch um nichts ..." Wie soll das gehen? Kann ich denn meine Sorgen einfach abstellen? Paulus kennt das. Deshalb stellt er dem ständig „Um-die-Sorgen-Kreisen" das anhaltende Gebet gegenüber: „Lasst in allen Dingen eure Bitten vor Gott kundwerden!" Weiß Gott nicht, wie es um mich steht? Doch, aber er will, dass wir ihm unsere Sorgen so vortragen, als ob er sie nicht wüsste. Denn nur so machen wir uns auf den Weg zu ihm.

Es ist oft schwer, seinen Gedanken eine andere Richtung zu geben, aber es ist immer möglich, etwas „Handfestes" zu tun, das in der Folge Einfluss auf unser Denken nimmt, nämlich sie zu falten und zu beten. Aber, so mahnt Paulus, vergiss im selben Gebet das Danken nicht, denn Danken befreit und stärkt das Vertrauen! Wenn du nun so zu deinem Vater kommst, dann wird der Friede Gottes über dich kommen (Phil 4,7).

Während Paulus diese Zeilen schreibt, sitzt er im Gefängnis. Mit Blick auf die Gitterstäbe und den Gefängniswärter vor der Tür schreibt er: „Der Friede Gottes bewahre — wörtlich: bewache — eure Herzen und Sinne in Christus Jesus."Es ist der Friede Gottes, der auch unser „Gefängnis" bewacht und darauf Acht hat, dass uns keine Sorge „gefangen" nimmt und uns Christus entreißt. Denn wessen Gedanken ganz bei der Not sind, der verliert Christus leicht aus den Augen. Wer aber Christus vor Augen hat, für dessen Nöte eröffnen sich neue Perspektiven!

Dietrich Müller


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