You are here: Andacht der Woche  

39/2008
 

Lasst euch deshalb durch niemanden von eurem Ziel abbringen. Schon gar nicht von solchen Leuten, die sich in falsch verstandener Demut gefallen, zu Engeln beten und sich dabei stolz auf ihre Visionen berufen! Diese Menschen haben nicht den geringsten Grund, sich derart aufzuspielen. Sie drehen sich ja doch nur um sich selbst und halten sich nicht mehr an Christus, der doch das Haupt der Gemeinde ist. Denn nur von ihm her kann die Gemeinde als sein Leib zusammengehalten werden und so wachsen und gedeihen, wie Gott es will.

Kolosser 2,18.19 (Hoffnung für alle)

Haben wir eigentlich immer Ziele? Es gab und gibt in unserem Leben Abschnitte, Tage oder Wochen, vielleicht sogar Monate und Jahre, wo von konkreten Zielen wenig zu erkennen ist. Dann aber auch Zeiten, wo wir genau wissen, was und wohin wir wollen.

Paulus meint in seinem Text nicht irgendeines unserer irdischen Ziele: Beruf, Familie, Wohneigentum, gesellschaftlichen Aufstieg oder gesicherten Wohlstand. Ihm geht es um die Teilhabe am Reich Gottes und am ewigen Leben. Oder wie es Jesus ausgedrückt hat: „Sorgt euch vor allem um Gottes neue Welt, und lebt nach Gottes Willen!" (Mt 6,33 Hfa)

Offensichtlich hatte damals die Gefahr bestanden, dass den Christen in der Gemeinde zu Kolossä durch „falsche Ziele" der Blick für das Eigentliche verloren ging. In den Versen 16 bis 18 nennt Paulus Einzelheiten, die durch gnostische Irrlehrer Unruhe und Verwirrung unter den Gläubigen gestiftet hatten, z. B. asketische Lebensweisen, Einhalten bestimmter Feiertage, Verehrung von Engeln oder angebliche Visionen, derer sich die Irrlehrer rühmten.

Für Paulus sind das keineswegs höhere Erkenntnisse - wie es die religiösen Eiferer darstellten - oder Ziele, die es für Christen zu erreichen gelte, sondern Abkehr von der christlichen Freiheit und Rückfall in eine unchristliche Knechtschaft. Ein Christ wird nicht dadurch frei, dass er unheilige Wünsche oder Ziele mit Hilfe von Satzungen und Vorschriften unterdrückt, sondern dass sie ihm nicht mehr wichtig sind, weil Christus in ihm lebt und wirkt. Deshalb kann es für uns kein höheres Ziel geben, als innerlich Tag für Tag so eng wie möglich mit Jesus Christus verbunden zu sein. Für mich ist das Weg und Ziel zugleich!

Gerhard Meliert


34/2008 | 33/2008