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35/2008
 

Doch der HERR sagte zu Samuel: „Lass dich nicht davon beeindrucken, dass er groß und stattlich ist. Er ist nicht der Erwählte. Ich urteile anders als die Menschen. Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt; ich aber sehe ins Herz."

1. Samuel 16,7


Stefanie Christmann ist Journalistin und arbeitet im Bundesumweltininisterium. Sie ist Gründerin und Vorsitzende der „Esel-Initiative" in Eritrea und hat für ihre Entwicklungsarbeit das Bundesverdienstkreuz bekommen.

Die „Esel-Initiative" ist ein gemeinnütziger Verein, der alleinerziehende Frauen in Eritrea unterstützt, indem er ihnen eine Eselin schenkt. Witwen und Frauen, die von ihren Männern verlassen worden sind, erhalten auf diese Weise eine Grundlage, um ausreichend für sich selbst und ihre Kinder sorgen zu können. Denn mit einer Eselin als Lasttier können die Frauen zum Beispiel Holz- oder Wasserhandel betreiben. Für viele ist das der entscheidende Anfang, später können sie oft ein einfaches Haus bauen oder sogar einen Laden eröffnen. Stefanie Christmann berichtete über eine ganze Reihe von Erfolgsgeschichten aus Eritrea.
Eine alleinerziehende Mutter zum Beispiel hat sechs Kinder, die jetzt alle zur Schule gehen. Sie hat mit ihrem Esel einen Gemüsegarten angelegt, verkauft außerdem Wasser und Holz, hat von ihrem Verdienst dann eine Ziege angeschafft und ein paar Enten, deren Küken sie wiederum verkaufen kann. Auch die Eselin selbst hat inzwischen Nachwuchs.

Viele beeindruckende, ganz kleine Dinge, die oft direkt vor meinen Augen stattfinden, werden nie prämiert. Sind sie deshalb weniger wichtig? Ich kenne einen Hausmeister, der im Ruhestand ganz liebevoll ein wunderschönes Rosenbeet vor „seinem" Mietshaus angelegt hat, damit sich die Vorübergehenden an dem schönen Anblick freuen — ist das nicht auch preisverdächtig?

Für mich als Christ bedeutet das: Wofür möchte ich Gott danken und ihn preisen, wenn ich mich einmal mit anderen Augen umschaue und so manches entdecke, was preisverdächtig, preiswürdig ist? Gerade Jesus hat immer wieder die „unscheinbaren", wenig beachteten Menschen zu sich geholt und ihnen ein neues Selbstbewusstsein geschenkt.

Gott möge uns heute einen aufmerksamen Blick und ein offenes Herz schenken, um gerade die Kleinigkeiten wahrzunehmen, und auch die unscheinbaren „Taten" zu würdigen und wertzuschätzen.

Beate Strobel


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