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29/2008
 

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

Matthäus 19,19

Wen soll ich lieben? Ich soll meinen Nächsten lieben. Unter diesem Ausdruck verstehen wir jeden, der uns irgendwie nahe ist. Unser Nächster ist zunächst unser Nachbar. Als der Samariter den Verwundeten auf der Straße nach Jericho erblickte, da wusste er, dass er sein Nächster war.

Liebe deinen Nächsten, auch wenn er einer anderen Religion angehört als du. Du meinst, du gehörst zu denen, die der Wahrheit am nächsten stehen, aber dein Nächster denkt anders. Du sagst, dass seine Religion ungesund und irrig sei: liebe ihn deswegen um so mehr. Harte Reden bekehren ihn nicht, harte Behandlung macht keinen Christen aus ihm. Liebe ihn. Seine Sünde richtet sich nicht gegen dich, sondern gegen Gott.

Liebe deinen Nächsten, auch wenn er dir beruflich im Wege steht. Das ist ein Satz, der nicht einfach zu verwirklichen ist, aber ich bin dennoch verpflichtet, ihn euch Kaufleuten und Handwerkern zu verkündigen. Es heißt nicht nur:“ Du sollst ihn nicht hassen!“, sondern: „Du sollst ihn lieben!“ – auch wenn er dich daran hindert, reich zu werden, wenn er dir deine Kundschaft raubt und deinen Ruhm verdunkelt. Du bist trotzdem verpflichtet, ihn zu lieben wie dich selbst.

Du sollst deinen Nächsten lieben, auch wenn er dich mit seiner Sünde beleidigt. Oft sind wir erschüttert, wenn wir der Sünde begegnen. Man ist gewohnt, den Ehebrecher und Dieb als einen Verfluchten aus der Gesellschaft auszustoßen. Und das ist nicht recht. Wir sind verpflichtet, auch die Sünder zu lieben und sie nicht aus dem Land der Hoffnung zu vertreiben. Wir müssen sie vielmehr zu gewinnen versuchen.

Oh, meine lieben Freunde, ihr liebt euren Nächsten nicht! Ja, ihr liebt kaum die, die ihr Brüder und Schwestern nennt. Manche von euch hadern mit denen, welche die gleiche Glaubensnahrung mit euch empfangen. Ach, wie kann ich da erwarten, dass ihr eure Feinde liebt, wenn ihr nicht einmal eure Freunde liebt?

C.H. Spurgeon, aus dem Buch „Auf dein Wort“


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