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27/2008
 

Denn nicht sieht der HERR auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.

1. Samuel 16,7b





Wer sich für Mode interessiert, weiß auch, wie schnell sie wechselt. Was in diesem Sommer oder Winter modern ist, gilt im nächsten Jahr als überholt und veraltet, und wer möchte sich schon in Kleidung präsentieren, die unmodern ist.





Desto mehr erstaunt mich, dass ein Kleidungsstück über Jahrhunderte hinweg nicht aus der Mode gekommen ist und immer noch getragen wird. Ich meine das „fromme Mäntelchen". Es ist scheinbar nicht kaputtzukriegen, auch wenn es eigentlich niemand gern sieht.

Was ist eigentlich ein „frommes Mäntelchen"? Es ist u. a. eine aufgesetzte Frömmigkeit, die etwas vortäuscht, was in Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Man könnte auch sagen, frommes Getue, hinter dem nichts steckt. Sonntags oder am Sabbat gibt man sich als frommer Christ, aber werktags ist davon nur noch wenig zu merken. Man lebt, handelt und reagiert wie alle anderen auch. Es gibt Menschen, die schauspielerisch eigentlich unbegabt sind, aber wenn es um eine „fromme Show" geht, laufen sie zur Höchstform auf.

Wenn ich bei dem „frommen Mäntelchen" allerdings nur auf andere zeigen würde und mich nicht selbst mit einschlösse, wäre das auch nichts weiter als Spiegelfechterei. Seien wir ehrlich: Jeder von uns neigt dazu, sich nach außen hin frömmer zu geben, als er in Wirklichkeit ist. Aber gerade hier greift der Text: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott der Herr aber sieht das Herz an!" Das heißt doch: Menschen können wir vielleicht etwas vormachen — Gott nicht! Er schaut von Anfang an hinter die Fassade und verabscheut frommes Getue (Am 5,21-23).

Also, was tun? Ein Anfang könnte sein, dass ich mich frage: Ist das, was ich sage oder tue, wirklich echt oder nur frommes Gerede? Warum gebe ich mich anders, als ich in Wirklichkeit bin? Vielleicht sollte ich auch mal den „Kleiderschrank meines Lebens" überprüfen, inwieweit meine „frommen Mäntelchen" mir den Platz rauben, den ich für Kleidung brauchte, die mir besser stehen würde: Selbsterkenntnis, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit und einen unverkrampften, natürlichen Glauben!


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