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20/2008
 

Was wir so gesehen und gehört haben, das verkünden wir euch ...

Johannes 1,3 (Gute Nachricht Bibel)
Als Thomas Reiter, der deutsche Astronaut, von seinem ersten Weltraumflug zurückkehrte, standen die Journalisten Schlange, um ihn zu interviewen. Thomas Reiter hatte etwas Einzigartiges zu erzählen: Seine Erfahrungen auf seinem ersten Raumflug. Er berichtete über die permanente Schwerelosigkeit, wie man unter diesen Bedingungen isst, schläft oder sich wäscht. Er schwärmte über die Schönheit unseres „blauen Planeten" und die faszinierende Weite des Alls. Er sparte auch die menschlichen Schwierigkeiten nicht aus, die ein Aufenthalt in einer engen Raumkapsel zusammen mit anderen Astronauten mit sich bringt. Welche öffentliche Aufmerksamkeit hätte Thomas Reiter erhalten, wenn er kein Astronaut, sondern ein Astronom gewesen wäre, der über seine neuesten Forschungen berichtet hätte? Einige interessierte Fachleute hätten ihm aufmerksam zugehört und ein paar Fachzeitschriften darüber geschrieben. Aber das wäre es wohl gewesen. Förschungsergebnisse sind zweifellos exakter als Erfahrungsberichte - aber nur wenige interessieren sich dafür. Dennoch wäre der Weltraumflug Thomas Reiters ohne die Erkenntnisse der Astronomen nicht möglich gewesen.

Auch im christlichen Glauben gibt es „Astronauten" und „Astronomen". Letztere haben ein profundes Bibelwissen, aus dem sie für jede Gelegenheit das passende Zitat finden können. Sie beeindrucken die einschlägige Fachwelt mit theologischen Detailkenntnissen. Aber ansonsten hören ihnen nur wenige Menschen zu.

Da haben es die „Astronauten" des Glaubens leichter: Sie haben sich selbst auf die Reise mit Jesus begeben und können von ihren eigenen Erfahrungen erzählen. Während die christlichen „Astronomen" ihre Theorie entwickeln, wie denn Nachfolge Jesu aussehen könnte, probieren die „Astronauten" diese bereits in der Praxis aus.

Am besten ist es jedoch, wenn man als Nachfolger Jesu „Astronom" und „Astronaut" zugleich ist. Denn der Astronaut kann Menschen mit seinen Erfahrungen begeistern, die Erkenntnisse des Astronomen verhelfen ihm jedoch, seine Erfahrungen richtig zu deuten. Damit das christliche Zeugnis, von dem auch Johannes in unserem Eingangstext spricht, wirksam ist, muss es mit persönlichen Erfahrungen gefüllt sein - so wie das Zeugnis der Jünger damals. Und damit uns unsere Erfahrungen nicht in die Irre leiten, brauchen wir die Orientierung des Wortes Gottes. Damals wie heute.

Thomas Lobitz


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