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17/2008
 

Wenn du keinen Ausweg mehr siehst, dann rufe mich zu Hilfe! Ich will dich retten, und du sollst mich preisen.

Psalm 50,15 (Hoffnung für alle)

Unser Kater ist ein verträglicher Patron. Sein Tagesablauf besteht aus Fressen, Schlafen und im Freien herumstromern. Wenn er wieder ins Haus möchte, wartet er geduldig an einer Tür oder Fensterbank, bis jemand kommt und ihn hereinlässt. Wenn er dagegen raus möchte, verhält er sich schon anders. Zuerst streicht er besonders viel um die Beine. Wer dieses Zeichen geflissentlich übersieht, erlebt schon mal, dass der Kater ganz vorsichtig in die Hose oder ins Bein zwickt. Er beißt nicht richtig zu, aber er signalisiert recht deutlich: Ich brauche dich, weil ich jetzt endlich raus ins Freie will!

So einfach machen wir es meist nicht. Aber es gibt auch Signale, die vermitteln möchten: Du, ich brauche dich! Bitte hilf mir, ich komme alleine nicht mehr zurecht! Wir trauen uns oft nicht, das mit Worten zu sagen und somit die eigene Ausweglosigkeit, den Gesichtsverlust in der Öffentlichkeit zuzugeben. Aber ein Blick oder eine Geste, eine scheinbar nebensächliche

Bemerkung, manchmal auch nur ein scheinbar zufälliges Zusammentreffen, können Bände sprechen. Die Fälle, wo es eindeutig und unmissverständlich ist, sind eher selten. Viel häufiger sind die zurückhaltenden Signale, die wir nur dann verstehen, wenn wir genau hinsehen.

Es gehört Mut dazu, den Anderen wahrnehmen zu wollen und die Signale zu registrieren. Es könnte ja sein, dass meine Zeit und Hilfe benötigt würde. Wer lässt sich schon gern aus der Reserve locken, um von den ohnehin beschränkten Ressourcen noch abzugeben?

Wie gut, dass Gott uns schon längst wahrgenommen hat, unabhängig davon, ob die Seele lautlos schreit oder ob wir nachdrücklich und mit vielen Worten um Hilfe bitten. „Ob ich sitze oder stehe - du weißt es, aus der Ferne erkennst du, was ich denke. Ob ich gehe oder liege - du siehst mich, mein ganzes Leben ist dir vertraut. Schon bevor ich rede, weißt du, was ich sagen will. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine schützende Hand über mir." (Ps 139,2-5 Hfa)

Möge uns diese Verheißung helfen, auch einmal über unseren Schatten zu springen, um dem Anderen zuzuhören und sich für ihn Zeit zu nehmen.

Johannes Hartlapp


18/2008 | 04/2008