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11/2008
 

Doch der Mundschenk dachte nicht mehr an Josef, er vergaß ihn einfach.

1. Mose 40,23 (Hoffnung für alle)

Peinlich, peinlich! Schon wieder einen Termin verschwitzt! Die Leute warten vergeblich auf mich, sind enttäuscht, verärgert, sauer - mit Recht! Ich schäme mich, stottere Worte, die um Verzeihung bitten, schließlich murmeln die anderen höflich oder großmütig: „Das kann ja jedem mal passieren." Danke. Ich bin erleichtert. Für dieses Mal ...

Wie mag sich der oberste Bedienstete des Pharao gefühlt haben, als ihm klar wurde, wie gründlich er diesen netten Kerl im Gefängnis enttäuscht hatte? Als er damals mutlos in seiner Zelle hockte und nicht mehr aus noch ein wusste, hatte ein junger Mithäftling seine Verzweiflung gespürt. Er arbeitete als Wärter und suchte das Gespräch.

Wo findet man noch einen Menschen, der aufmerksam zuhört, wenn man von seinen Träumen erzählt? Josef hatte sich nicht nur dafür interessiert, er hatte sogar eine Deutung parat. wurde aus meiner Heimat entführt und als Sklave verkauft. Dass ich hier gefangen bin, daran trage ich keine Schuld. Kannst du etwas für mich tun?", hatte er gefleht. Und der oberste Bedienstete versprach vollmundig: „Du kannst dich auf mich verlassen. Ich lasse meine Beziehungen spielen."

Doch kaum war er wieder im Palast, hatte ihn der Hoftrubel wieder gefangen genommen: keine Zeit, keine Ruhe zum Nachdenken und schon gar nicht über diese dunklen Tage im Kerker! Erst durch die Notlage seines Königs tauchte die Erinnerung wieder auf - zwei Jahre später. Viel zu spät? Oder genau zum richtigen Zeitpunkt? Was, wenn man Josef zwei Jahre zuvor aus dem Kerker entlassen hätte? Vielleicht wäre er irgendwo im großen Ägypten untergetaucht. Oder hätte versucht, nach Kanaan zu fliehen. Dann wären die Ägypter und die Völker im Land Kanaan mitsamt Jakobs Sippe verhungert.

Dass Gott sogar die Vergesslichkeit in seine Pläne einbauen und zum Guten wenden kann, macht mir Mut. Gott gebraucht dich und mich mitsamt unseren Fehlern und Schwächen. Wir sind unvollkommene Werkzeuge, doch der Meister hält uns fest in der Hand.
Sylvia Renz


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