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10/2008
 

Alle aber miteinander haltet fest an der Demut denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

Petrus 5,5

Für Petrus gibt es bei dieser Verhaltensregel keine „Ausnahmegenehmigung". Er betont ausdrücklich, dass „alle" miteinander an der Tugend Demut festhalten sollen. Man kann aber nur das festhalten, was man besitzt. Petrus ging wohl davon aus, dass die Christen in Kleinasien „als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen ... [und] Demut" angezogen haben (Kol 3,12). Das Gegenteil von Demut ist Hochmut.

Mit Hochmut und dem Begehren nach einer höheren Stellung fing im Himmel das Böse an. Von Satan, der der schönste Engel war, sagt die Bibel, dass sich sein Herz erhob und er dem Allerhöchsten gleich sein wollte. Friedrich Schiller formulierte: „Hochmut war's wodurch die Engel fielen."

Die Eigenschaft Hochmut steckt im Wesen des natürlichen Menschen. Wenn der Hochmut nicht besiegt wird, dann sind die Folgen Ichsucht, Stolz, Egoismus, Rechthaberei, Selbstgefälligkeit und Unduldsamkeit.

Das eigene „Ich" drängt den Menschen immer wieder dazu, sich in den Mittelpunkt zu stellen. Schnell beleidigt sein, sich verärgert in den Schmollwinkel zurückziehen oder Prahlerei und Selbstlob sind ein Ausdruck von Hochmut. Auch gespielte Demut ist in Wirklichkeit Hochmut. Unter Gläubigen wird manchmal überdeutlich und bei jeder Gelegenheit die Wendung gebraucht: „Ich berichte und tue das nur zur Ehre Gottes." Und die anderen fragen sich, wirklich „nur" zur Ehre Gottes?

Die Lektion „Demut" muss immer wieder neu gelernt werden. Es gilt für jeden Nachfolger Jesu zu begreifen, dass die christliche Grammatik anders ist als die Grammatik, die man in der Grundschule gelernt hat. Da wurde gelehrt, dass die erste Person „Ich" heißt, die zweite „Du" und die dritte „Er". In der christlichen Grammatik sind die Regeln ganz anders. Dort ist es umgekehrt. Die erste Person ist „Er", nämlich Gott der Herr, die zweite Person ist „Du", nämlich der Mitmensch, und das „Ich" kommt ganz zum Schluss als dritte Person an die Reihe. In dieser Grammatik haben wir alle noch lange nicht ausgelemt, sie muss jeden Tag geübt werden.

Möge es uns am heutigen Tage und in aller Zukunft mit Gottes Hilfe mehr und mehr gelingen, das theoretische Wissen der Lektion „Demut" in die Praxis umzusetzen.

Hermann Beier


11/2008 | 09/2008