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09/2008
 

Aber der HERR sprach zu Samuel. Denn nicht sieht der HERR auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.

Samuel 16,7

Vor Jahren kamen wir in eine neue Gemeinde. Viele Frauen dort waren sehr schick gekleidet, so dass ich mir wie eine „graue Maus" vorkam. Als die neue Pastorenfrau war ich natürlich allen Blicken ausgesetzt. Ich fühlte mich sehr verunsichert, und um meiner Unsicherheit abzuhelfen, kaufte ich mir einen schicken Pullover. So fand ich mich schön und den anderen ebenbürtig. Doch ich ärgerte mich auch über mich selbst, dass mich Kleidung so verunsichert hatte.
Natürlich: „Kleider machen Leute", das ist ein wahres Wort; aber sie machen uns nur äußerlich wertvoll. Mehr denn je wird heutzutage auf das „Outfit" geachtet. Dafür wird oft sogar sehr viel Geld ausgegeben. Selbst die Kinder unterliegen schon dem Marken-Modetrend.
Gott hat uns einen Sinn für Schönheit gegeben, und wer das Geld dafür hat, soll sich auch Besonderes leisten dürfen. Auch Christen sollen nicht wie „graue Mäuse"
herumlaufen. Aber stempeln wir uns nicht oft zu früh als solche ab und sind es gar nicht? Befürchten wir, dass andere denken könnten, wir hätten nicht genug Geld, um uns modische Dinge zu leisten? Fühlen wir uns dann „out"? Was immer auch die Ursachen sind, um uns an äußerlichen Dingen aufzurichten oder andere nach Äußerem zu bewerten, es lohnt sich wieder einmal, über die eigentlichen Werte nachzudenken!
Wie enttäuschend ist es, wenn eine schöne Frau über andere lästert, oder ein gut aussehender Mann einen niveaulosen Witz erzählt; wenn teuer ausgestattete Kinder kein Mitgefühl mehr kennen und nicht mehr wissen, was Zufriedenheit ist.
Ein Gedicht aus meiner Jugendzeit macht mir immer noch das Eigentliche bewusst:
„Von einem Teller herbstlich reifer Früchte
nahm ich den schönsten Apfel mir zum Schmaus.
Rotbäckig angemalt im Sonnenlichte,
ganz ohne Fehl — verlockend sah er aus.
Ich schnitt ihn auf und fand, dass er gelogen,
im Innern war er angefault und schlecht.
Es hatte mich sein Äußeres betrogen,
und das geschah mir auch im Grunde recht.
Man trau nicht immer nur der äußren Schale.
Sein Nachbar, unscheinbar und rau und schlicht,
den ich mir wählte dann zu meinem Mahle,
war kerngesund und er betrog mich nicht."
(Verfasser unbekannt)

Marli Weigt


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