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49/2007
 

Denkt nicht an euren eigenen Vorteil, sondern habt das Wohl der anderen im Auge.

Philipper 2,4 (Hoffnung für alle)

Ist dieser Satz nicht eigentlich etwas ganz Selbstverständliches? Wenn unser Miteinander einigermaßen harmonisch sein soll, dürfen wir nicht nur an uns selbst denken. Keiner lebt allein auf der Welt! Das wird leider allzu oft vergessen.
Von Martin Buber stammt folgende Geschichte: „Rabbi Mosche.Ltib erzählte: ,Wie man die Menschen lieben soll, habe ich von einem Bauern gelernt. Der saß mit anderen in einer Schänke und trank. Lange schwieg er ebenso wie die anderen. Ein wenig vom Wein bewegt, sprach er schließlich seinen Nachbarn an: Sag du, liebst du mich oder liebst du mich nicht? Der antwortete: Ich liebe dich sehr! Da sprach der Bauer erneut: Du sagst: Ich liebe dich und weißt doch nicht, was mir fehlt. Liebtest du mich in Wahrheit, würdest du es wissen.'"

Sicher ist es oft nicht einfach zu entdecken, welche Probleme oder Nöte ein Mensch hat und welche heimlichen Erwartungen er hegt. Besteht nicht die Ursache für so viele mitmenschliche Konflikte darin, dass ich mich selber viel wichtiger nehme als den anderen?

Liest man das obige Andachtswort im Zusammenhang, erkennt man, dass es Paulus zunächst um das Miteinander in der Gemeinde geht. „... seid bescheiden, und achtet den anderen mehr als euch selbst." (V. 3 Hfa) Damit ist nicht einer falschen Bescheidenheit das Wort geredet, hinter der sich mitunter ein großer Anspruch verbergen kann. Wer stattdessen gelernt hat, sich selbst anzunehmen mit all seinen Grenzen und Schwächen, kann auch leichter zum anderen Ja sagen. Wer sich bewusst ist, dass Christus auch für den anderen den Weg ans Kreuz gegangen ist, dem geht auf, dass in der Gemeinde jeder Einzelne wichtig ist Dann wird er vielleicht sogar bei dem, der ihm unsympathisch und nicht fromm genug erscheint, besondere Qualitäten entdecken.

In der Gemeinde sollten wir uns darin üben, nicht nur unsere „Schwestern und Brüder" im Blick zu haben, sondern auch den „fremden Nächsten", der uns zur Seite gestellt ist. Sich auch um den anderen kümmern und sorgen, bedeutet dann unter Umständen, Phantasie zu entwickeln, um ins Gespräch zu kommen und dort zu helfen, wo es gilt, Einsamkeiten zu durchbrechen.
Herr, habe Dank, dass ich für dich wichtig bin, und gib mir offene Augen, um auch die Nöte des anderen zu erkennen!

Manfred Böttcher




03/2006 | 40/2007