You are here: Andacht der Woche  

33+34/2007
 

Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, ein bewährter Helfer in Zeiten der Not. Darum fürchten wir uns nicht, selbst wenn die Erde erbebt... Der Herr über Himmel und Erde ist mit uns!

Psalm 46,2.3a.8a (Hoffnung für alle)


„Ich bin ein Mädchen von dreizehn Jahren und könnte eigentlich mit meiner Umwelt zufrieden sein. Aber etwas bedrückt mich ständig. Und dieses ,Etwas' heißt Angst. Ich habe Angst vor dem Tod, Angst vor dem Leben, Angst vor der Wahrheit, Angst vor den Noten, Angst vor dem Sporttag, Angst vor der Liebe, Angst vor der Nacht, Angst vor dem Weltuntergang, Angst vor dem Krieg, Angst vor dem Ausgelachtwerden, Angst vor der Angst... Es ist zum Verrücktwerden. Aber das Schlimmste ist: Ich weiß gar nicht, woher sie kommt." (Axel Kühner, Hoffen wir das Beste, Aussaat-Verlag, 1998)

Sicher, wir könnten sagen: pubertäre Übersensibilität. Wir könnten auch sagen: Angst gehört nun mal zum Leben. Sie schützt uns vor Leichtsinn, sie mobilisiert Kräfte, schärft die Aufmerksamkeit und beschleunigt das Reaktionsvermögen. Aber was, wenn die ganz alltägliche Angst um sich greift und alle Lebensbereiche erfasst? Solche Angst kann sich wie ein dicker Nebel auf einen Menschen senken. Sie legt alles lahm, macht unfähig, klar zu denken, das Leben in die Hand zu nehmen. Sie wird zur unerträglichen Last.

Ursachen gibt es viele: die täglichen Nachrichten, schlechte Zukunftsprognosen, das Klima, die Arbeit, die Kinder. Das Jahrhundert des Fortschritts und der Bildung hat die Angst nicht bezwingen können, im Gegenteil: es brachte Weltkriege, Massenmord, Katastrophen und Weltuntergangsszenarien. Und bezüglich der großen Fragen herrscht auch am Beginn des neuen Jahrtausends immer noch allgemeine Ratlosigkeit. Haben wir im so genannten „nachchristlichen Zeitalter" mit einem persönlichen Gott auch unser Urver-trauen verloren? Sind wir allein übrig geblieben, irgendwo am Rand des Universums - vergessen?

Wenn es nachts gewitterte, kam unser Jüngster immer zu uns ins Schlafzimmer. Bei Mutti und Vati schlief er schnell wieder ein, da konnte es draußen ruhig blitzen und krachen. Ich glaube, das ist ein gutes Bild für den Weg aus der Angst. Die Decke über den Kopf ziehen hilft nicht.

Wir brauchen jemanden, der uns nahe ist, dem wir vertrauen, der uns in der Gefahr beisteht und beschützt, der das Ziel und den Weg kennt. Und wenn die Angst kommt, ist einer da, der stärker ist als die Angst. Wer das glauben kann, finde ich, ist auch heute echt besser dran!

Johannes Scheel


35/2007 | 23/2007