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12/2005
 

Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
1. Petrus 5,5b

Der Begriff Demut ist aus der Mode gekommen - und erst recht das, wofür er steht. Das deutsche Wort „Demut" ist aus dem althochdeutschen „dio" (Diener) und „muot" (Gesinnung) zusammengesetzt. Dabei geht die Betonung eher in Richtung „Gefolgsmann" als etwa „Knecht". Demut bezeichnet die Bereitschaft oder den Mut zum Dienen - eine Geisteshaltung also, die sich selbst um anderer Menschen oder um Gottes willen zurücknehmen und unterordnen kann.

Petrus sieht Demut als Gegenstück zum Hochmut und bewegt sich damit im Rahmen antiker Ethik, die Demut und Hybris als Gegensatzpaar verstand. Die Ethik des Alten Testaments fordert Demut als Ausdruck der grundsätzlichen Abhängigkeit des Menschen von Gott, dem Schöpfer (siehe Mi 6,8). Im Neuen Testament und im Christentum orientiert sich die Demut am Vorbild Jesu (siehe Mt 11,29) und ist Ausdruck der christlichen Grundhaltung, die den glaubenden Menschen - sein Denken, Fühlen und Handeln - unter das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe stellt. Es geht also nicht um passive Unterwürfigkeit, sondern um aktives, mutiges Handeln. Dafür gibt es im Neuen Testament eine Reihe von Beispielen.

In Philippi wurden Paulus und Silas aufgrund von Verdächtigungen ohne Gerichtsurteil ausgepeitscht und ins Gefängnis geworfen. Als sich herausstellte, dass die beiden Gefangenen römische Bürger waren, wollte die Stadtverwaltung sie stillschweigend abschieben, doch Paulus ließ das nicht zu. Er forderte: „Sie haben uns ohne Recht und Urteil öffentlich geschlagen, die wir doch römische Bürger sind, und in das Gefängnis geworfen, und sollten uns nun heimlich fortschicken? Nein! Sie sollen selbst kommen und uns hinausführen!" (Apg 16,37) Und das war nicht das einzige Mal, dass er sich auf sein Recht berief (siehe Apg 22,25).

Auch Jesus, dessen Demut geradezu sprichwörtlich ist, ließ sich nicht alles gefallen. Als ihm beim Verhör vor dem Hohen Priester ein Knecht ins Gesicht schlug, wehrte er sich mit den Worten: „Habe ich übel geredet, so beweise, dass es böse ist; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich?" (Jo 18,23) Demut, wie die Bibel sie versteht, sollte nicht mit hündischer Unterwürfigkeit verwechselt werden. Wenn sich jemand - Christen nicht ausgenommen – alles gefallen lässt,. ist das nicht unbedingt ein Zeichen von Demut. Manchmal sind die Grenzen zwischen christlicher Demut und frommer Dummheit leider fließend. Und das hilft keinem!

Günther Hampel


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